Archiv der Kategorie ‘Zitate und Bonmots‘

 
 

we need to update our nightmares

Einer der anschaulichsten, wenn nicht besten Texte zum Überwachungs-SocialMedia-Postdemokratie-Protest-BigData-Komplex - Zeynep Tufekci mixt ihre Erlebnisse im Gezi-Park in Istanbul mit Studienergebnissen aus ihrer tech-soziologischen Forschungsrichtung und erklärt, warum Huxley (Brave New World) uns eher weiterhilft als Orwell (1984) oder Bentham (Panoptikum): An der gesellschaftlichen Oberfläche haben wir anscheinend die Wahl, die zur Wahl stehenden Entscheidungen aber sind so konfiguriert, dass wir aller Wahrscheinlichkeit nach genau die Entscheidungen treffen, die wir treffen sollen.

Digitale Spähstrategien bündeln ökonomische, kulturelle und politische Macht, indem sie Kommunikation kontrollieren, überwachen und steuern - in den Räumen, die man zu kontrollieren müssen glaubt, um Herrschaft auszuüben: Insofern ist Soft Power eine Waffe des 21. Jahrhunderts.

Resistance and surveillance: The design of today’s digital tools makes the two inseparable. And how to think about this is a real challenge. Our understanding of the dangers of surveillance is filtered by our thinking about previous threats to our freedoms. But today’s war is different. We’re in a new kind of environment, one that requires a new kind of understanding. (…)

Companies want to use this power to make us buy products. For political parties, the aim is to attract support based on a tailored presentation of that party’s politicians and policies. Both want us to click, willingly, on a choice that has been engineered for us. Diplomats call this soft power. It may be soft but it’s not weak. It doesn’t generate resistance, as totalitarianism does, so it’s actually stronger.

Internet technology lets us peel away layers of divisions and distractions and interact with one another, human to human. At the same time, the powerful are looking at those very interactions, and using them to figure out how to make us more compliant.

Machen wir uns nichts vor XLIX

Es ist eine Eigenart digitaler Technologie, dass jede Handlung, die wir durch sie und mit ihr ausführen, gleichzeitig auf zwei Ebenen stattfindet, auf der menschenlesbaren Ebene der Kommunikation und der maschinenlesbaren Ebene der Daten. (…) In der ersten Phase des Internets wurden nun alle Eigenschaften der Kommunikation extrem erweitert. (…) Flexible, einbeziehende, offene Strukturen, die bisher nur in kleinen Gruppen funktionierten, wurden auf viel größere übertragen. (…) Das Symbol der zweiten Phase ist nicht mehr die Community, sondern das Datencenter - eine Blackbox mit industriellen Dimensionen, kapitalintensiv, komplex und opak. (…) Es ermöglicht das “Profil”, das zunehmend bestimmt, wie wir uns durch Welt (offline und online) bewegen können, und es brachte den “großen Bruder” zurück, jene allwissende Obrigkeit, von der wir glaubten, wir hätten sie hinter uns gelassen. (…) Repression ist aber die Ausnahme. Mit großen, gut organisierten Datenmengen lassen sich Menschen steuern, ohne dass ihnen diese Steuerung bewusst wird. Die Polizei wird nur im Notfall, wenn alles andere versagt hat, losgeschickt. (…) In der Folge entsteht ein neues Machtgefälle zwischen denen, die Zugang zu den Daten und damit den entsprechenden Wissensvorsprung besitzen, und denen, die auf der Ebene der Kommunikation verharren müssen. Unterm Strich kommt heraus, dass zwar die Kommunikationsmöglichkeiten extrem ausgeweitet wurden, Kommunikation als solche aber an Bedeutung verliert. (…) Die Gewichtsverschiebung von der Kommunikation zu den Daten ist keineswegs auf das Internet beschränkt. In unseren zunehmend postdemokratischen Gesellschaften kommuniziert Macht nicht mehr, sie managt, möglichst ohne wahrgenommen zu werden.

Felix Stalder stellt Kommunikation gegen Daten und erklärt so, warum Öffentlichkeit zur Soap gemorpht ist.

Betr.: Debattenkultur in Deutschland

In Deutschland fehlt die Tradition einer höfischen Gesellschaft. Anders als in den westlichen Vorbildnationen Frankreich und England haben wir keine literarische Adelskultur, die auf Eleganz, Fasslichkeit und Einfachheit des Ausdrucks größten Wert legt. Statt des homme des lettres und des Gentleman haben wir den Bildungsbürger, der sich als Weltwisser und Gottsucher aufführt. Die Bildungsbürger kommen aus den Beamten-, Handwerker- und Pfarrerhaushalten, sie träumen davon, alles in sich zu begreifen, schaffen es aber nicht, im wirklichen Leben die Rolle und den Platz zu wechseln. Es fehlt der Hof, der einem Takt zumutet, Indirektheit abverlangt und Nüchternheit gebietet. Daher kommt der bildungsbürgerliche Zug ins Innerliche und Tiefe, Prinzipielle und Radikale ebenso wie ins Abseitige und Abstruse.

Aus: Heinz Bude: Bildungspanik.

Machen wir uns nichts vor XLVIII

It makes people much more enthusiastic and cooperative when they have ego goals to fulfill, but ultimately that kind of motivation is destructive. Any effort that has self-glorification as its final endpoint is bound to end in disaster. Now we´re paying the price. When you try to climb a mountain to prove how big you are, you almost never make it. And even if you do it´s a hollow victory. In order to sustain the victory you have to prove yourself again and again in some other way, and again and again and again, driven forever to fill a false image, haunted by the fear that the image is not true and someone will find out. That´s never the way.

Zitat aus Robert M. Pirsig: Zen and the Art of Motorcycle Maintenance.

Machen wir uns nichts vor XLVI

Biopolitik und Kontrollgesellschaft: Foucault und Deleuze hatten Recht.

Mit Biopolitik versuchte man seit dem 18. Jahrhundert die Probleme zu rationalisieren, die der Regierungspraxis durch die Phänomene gestellt wurden, die eine Gesamtheit von als Population konstituierten Lebewesen charakterisieren: Gesundheit, Geburtenziffer, Hygiene, Lebensdauer, Rassen … (…) Man kann diese Probleme nicht vom Rahmen politischer Rationalität trennen, innerhalb dessen sie aufgetreten sind und ihre Zuspitzung erfuhren. Insbesondere nicht vom “Liberalismus”, denn durch die Beziehung zu ihm haben sie eine Herausforderung angenommen. Der Liberalismus ist als Prinzip und Methode der Rationalisierung der Regierungsausübung zu analysieren - einer Rationalisierung, die der internen Regel der maximaler Ökonomie gehorcht. Während jede Rationalisierung der Regierungsausübung darauf gerichtet ist, ihre Wirkungen zu maximieren, geht die liberale Rationalisierung vom Postulat aus, dass die Regierung keine eigene Existenzberechtigung in sich trägt.

Michel Foucault (komprimiertes, leicht bearbeitetes Zitat aus: Die Geburt der Biopolitik (1978/79))

Machen wir uns nichts vor XLV

Wenn sich beschleunigte Zeiten durch eins auszeichnen, dann durch eine Fülle von fesselnden Details, die den Einzelnen hypnotisch das Gesamtbild verschwinden lassen machen. In so einer historischen Situation ist es mitunter gut, sich heftig herauszuzoomen, förmlich vom Detailschlamassel zu dissoziieren um aus gehörigem Abstand mit genügend Popcorn und Neugier versorgt aus Bekanntem, Unbekanntem und 3 Schnurrhaaren ein unaufgeregtes, aber aufregendes Bild von allem zu machen.

Es gibt sie noch: Aphoristiker, die dem Manierismus unverdächtig sind. Siggi Becker zum Beispiel.

Machen wir uns nichts vor XLIV

There was a time when it was meaningful thing to say that you’re a blogger. It was distinctive. Now being introduced as a blogger is a little bit like being introduced as an emailer.

Anil Dash während eines Vortrags im Berkman Center for Internet and Society über den Bedeutungswandel des Bloggens von cool zu uncool.

Resteverwertung #Öffentlichkeitsschnipsel

Ich weiß noch nicht, ob und wie es hier weitergeht. Aber das ist ja kein Grund, meine Social-Media-Schnipsel wie vertrocknete Grasbüschel vom kalifornischen Wüstenwind hinweg wehen zu lassen. Oder so.

Das Muster ist - Überraschung - Öffentlichkeit (gepostet in den vergangenen zwei, drei Monaten auf google plus:

Marianne Lieder in ihrer Rezension zu Volker Gerhardts Buch zum Thema Öffentlichkeit:

Kant erklärte die Öffentlichkeit, damals noch unter dem Terminus „Publizität“, zur „transzendentalen“ Bedingung von Recht und Politik. Auch die Ethik musste sich für Kant öffentlich begründen lassen, ebenso wie die Wissenschaft und Kunst, denn jede Erkenntnis sei ein „Communicator-Machen“, jedes ästhetische Urteil beruhe auf einem Sensus communis. Hinter diese Einsicht sei die Mehrheit der späteren Berufsdenker wieder zurückgefallen. Dies gilt für Hegel und Carl Schmitt ebenso wie für den Öffentlichkeitstheoretiker Jürgen Habermas.

Ich:

Noosphäre ist Öffentlichkeit, nur umfassender und mit anderen Mitteln.

Constantin Seibt:

In der öffentlichen Sphäre werden nicht Wahrheiten verhandelt, sondern Meinungen. Denn Wahrheit ist, da unveränderbar, eigentlich unpolitisch: Wer die Wahrheit sagt, stellt nur Tatsachen fest. Über Jahrhunderte war Wahrheit deshalb auch nie ein politisches Thema. Worüber seit Plato nachgedacht wurde, war der Gegensatz von Wahrheit und Meinung.

Wikipedia zum Begriff Nachrichtenwert:

Personalisierung: Je stärker ein Ereignis personalisiert ist, sich im Handeln oder Schicksal von Personen darstellt, desto eher wird es zur Nachricht.

Siggi Becker zu Edward L. Bernays Propaganda.

Immer noch Plichtlektüre.

Burkhard Müller in der SZ vom 26.11.2012 über Narrative in einer Rezension zu Albrecht Koschorkes Grundzüge einer allgemeinen Erzähltheorie.

Erzählen dient dem Stoffwechsel des Kollektivs mit der Welt. Es sichert den Zusammenhalt diverser Communitys über ihr Fachchinesisch hinaus. Es wählt aus und richtet zu, auf dass sich das Relevante mit dem Gedächtnis verschwistere. Es relativiert die humorlosen Hochdiskurse durch sein respektloses Geplapper und Gekicher. Es gibt, eine Art umgekehrter “stiller Post”, dem formlosen durch sukzessive Durchläufe allmählich Form. Es bearbeitet Normprobleme im Modus des Einzelfalls, agiert also wie ein Gericht, aber informell.

Constantin Seibt zitiert Hannah Arendt:

Denn was wir unter Wirklichkeit verstehen, ist niemals mit der Summe aller uns zugänglichen Fakten und Ereignisse identisch und wäre es auch nicht, wenn es uns je gelänge, aller objektiven Daten habhaft zu werden. Wer es unternimmt, zu sagen, was ist, kann nicht umhin, eine Geschichte zu erzählen, und in dieser Geschichte verlieren die Fakten bereits ihre ursprüngliche Beliebigkeit und erlangen eine Bedeutung, die menschlich sinnvoll ist.

Dirk Baecker (Text nicht mehr online) zum Thema Demokratie und Öffentlichkeit in der Weltgesellschaft:

Die Ungewissheit der Souveränität der Nation und die Oszillationen einer Öffentlichkeit im Kontext einer global, digital und ökologisch verunsicherten Weltgesellschaft erschweren die Selbstbestimmung eines Staatsvolks in einem bisher unbekannten Ausmaß.

Sollte die Nation im Kontext der Autopoiesis der Weltgesellschaft weiterhin an Einfluss verlieren, wird es erforderlich, die Variable dēmos neu zu bestimmen: Die Öffentlichkeit ist mit dem Staatsvolk weder identisch noch kann aus ihm jene Form der Selbstbeherrschung gewonnen werden, die ein Staatsvolk kennzeichnet.

Die Öffentlichkeit ist statt dessen das Komplement eines Staatsvolks im kommunikativen Raum der Gesellschaft, gleichsam der Spiegel, in dem ein Staatsvolk laufend überprüft, ob die Formen der Selbstbeherrschung, die es gefunden hat, noch wünschenswert sind.

Der Soziologe Łukasz Jurczyszyn analysiert neue Protestformen, die in den vergangenen Jahren in Polen aufgetaucht sind - u.a. auch anhand der ACTA-Bewegung:

Die Anti-ACTA-Erfahrung lehrt, dass jeden Augenblick Aufgaben auftauchen können, für die es sich lohnt, partikulare Differenzen und Konflikte zu vertagen, um sich taktisch zur Erreichung eines wichtigen Ziels zusammenzuschließen

Sascha Lobo in einer seiner Spiegel-Kolumnen:

Hinter den vielen Open-Bewegungen wie Open Access, Open Data, Open Government und auch Open Source steht nicht weniger als ein neues Verständnis von Öffentlichkeit. Die vordigitale Öffentlichkeit war primär ein Kommunikationsraum, die digitale Öffentlichkeit ist zusätzlich ein Funktionsraum.

Guuardian-Chefredakteur Alan Rusbridger, der für den Journalismus bzw. die Vierte Gewalt zwei Kardinalprobleme sieht: die Abhängigkeit von Subventionen (subsidy) und die Tendenz zur Monopolisierung (Ownership) - ein optimistisches Plädoyer, den neuen Mitspieler in der #Öffentlichkeit (”third wing to the fourth estate”) willkommen zu heißen:

Virtually every adult over the age of 30 grew up with the idea that the fourth estate consisted of just two parts – press and broadcasting. Each was owned, financed and regulated in different ways and each gave rise to different ideas of what journalism was. (…) But now there’s a new kid on the block. A third wing to the fourth estate, if that’s not too mixed a metaphor. You could even argue there are two new kids on the block – the original world wide web (essentially another form of transmission) and web 2.0, the advent and rapid maturing of so-called social, or open, media. (…)

Franz Walter über Zivilgesellschaft und Partizipationsdemokratie:

Gerade die modernen Partizipationsinitiativen liefern keine Lösung des Ungleichheitsproblems, laufen vielmehr noch stärker auf eine Art Zensusdemokratie hinaus. Es behaupten sich im zivilgesellschaftlichen Engagement im Wesentlichen diejenigen, die über besonderes Kapital verfügen, die Interessen wirksam zu organisieren vermögen, die in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden, die Bündnispartner aufgrund des eigenen gesellschaftlichen Gewichts gezielt mobilisieren können.

San Keller über facebook und Öffentlichkeit:

Ich behaupte, Facebook und Warhol, der ja sehr virtuos mit dem Grenzgebiet von Privatem und Öffentlichen umging und einen öffentlichen Raum im Kopf schuf, haben etwas Gemeinsames. Die Kategorien des Öffentlichen und des Privaten werden umgepflügt oder zumindest neu konfiguriert. Warhol kodierte das Öffentliche als Privates um und umgekehrt. Facebook ist eine soziale Skulptur, die niemand bewusst als solche geschaffen hat und die aus technischen Möglichkeiten heraus entstanden ist. Aber Facebook verändert den Öffentlichkeitsbegriff.

Sascha Lobo über die Piratenpartei und Öffentlichkeit:

Eine kirremachende Ironie des Schicksals: Was im Kleinen lächerlich wirkt und großen Anteil am Piraten-Burnout hat - die Mühen der ständigen Transparenz und die intensive Einbeziehung der Öffentlichkeit - wäre im Großen das beste Mittel gegen die Merkelsche “marktkonforme Demokratie”, die der Treiber des gesellschaftlichen Burnouts ist.

Felix Stalder zur Piratenpartei und ihrer Einstellung zur Öffentlichkeit:

Wir haben immer mehr Menschen mit ganz viel Nischenwissen und ganz viel Spezialistentum. Die Piratenpartei ist ein gutes Beispiel dafür. Deren Mitglieder sind unglaublich communityorientiert und haben wenig Interesse, mit der Allgemeinheit, der Öffentlichkeit im alten Sinne, zu kommunizieren. Die verstehen das Internet ja eh nicht, ist die Haltung.

gerührt und geschüttelt

Ein großer Dank an Ben Barks, der mich heute auf google plus unverhofft mit nachträglichen Geburtstagswünschen zum vierjährigen Blogjubiläum beglückt hat. Ich bin gerührt und fühle mich angenehm geschüttelt. (Und das Beste ist, dass ich mir tatsächlich die ganzen Überschriften der vergangenen vier Jahre durchgelesen habe und dabei in so einen ganz merkwürdigen, rauschigen Flow geraten bin - huh.)

Happy Birthday thorstena.de!!!
(nachträglich)

Thorstena hat(te) Geburtstag - Ein Grund, die Revuegirls passieren zu lassen und die Tanzfläche der Gedächtnisdisko zum Swingen zu bringen. Denn, machen wir uns nichts vor, Tanzeinlage geht immer. Auch ohne Ballerinas. Und für alle die, die in den letzten Jahren nicht in der deutschen Blogosphäre gewohnt haben, hier das komplette Potpourri aller crazy Überschriften zum Sammeln und Tauschen:

Thea hat ihre Ballerinas weggeschmissen, Macht und Wesen der Maschinen, Blockbuster schlägt Long Tail, Ostdeutsche Protestanten fummeln nicht gern, Hans-Werner von Sinnen, la vida es una tombola, Digitaler Maoismus in der Wissenschaft, Der systemimmanente Lutscher-Effekt, Auswahl der Besten, Machen wir uns nichts vor I, Eier vs Dekolleté, Machen wir uns nichts vor II, Immer schön auf dem Teppich bleiben, Galopp ins Nirgendwo, Das symbolträchtige Techtelmechtel, Von Ingo Schulze lernen, Machen wir uns nichts vor III, Glück durch Unbekannte, Guido Obama-Westerwelle, Allgemeines Unbehagen, “Mut zur abweichenden Meinung”, Machen wir uns nichts vor IV, Mit Ordnungssinn gen Osten, “Too depressed to be sexually active”, Aphorismen-Alarm mit . . ., Einführung in die Verhaltens-Obamanomie, Indien oder Ikarus?, Berlin im Januar. . ., Migrationshintergrund Harz, Expertisen mit kurzer Halbwertzeit, War Haider ein Faschist?, Magie 2.0 - Präludium, Algorithmen sind politisch, Tom Selleck meets Andy Warhol, Magie 2.0: Hasenpest und Hasensilvester*, “Surrealism in Overdrive”, Twitter: “Zu erstaunlich vielen Dingen gut”, Ordnungsmuster aus der Vogelperspektive, Luhmann/Systemtheorie, Der Turing-Test und die Folgen, Der wichtige Pedant, U-Bahn global mehr als Taubenscheiße weltweit, Machen wir uns nichts vor V, Das Internet als Wahrnehmungsfolie, Tanzeinlage, Runterkommen bitte, hip, hipper, re:publica, re:publica 09: Vielfalt und Willkür, An der (alten) Staatsgrenze, Sinnstiftung und Wertebildung nachgefragt, Tanzeinlage II, Internet: Demokratie ex machina?, Nachtrag: Internet und Zensur, Basic-Arbeit, Hallo, Frau von der Leyen!, Biometaphern mag ich nicht, Bio vs. Ketwurst, Mehr Abwicklung als Neustart bei Galore, “Diskurs-Check” im Freitag, Machen wir uns nichts vor VI, Der Spielverderber, Im digitalen Fleischwolf: Ach, Adam!, Ein wenig Balsam auf die Wunden, Europa aus polnischer Perspektive, (Zeitungs-)Papier: Auslaufmodell oder “neues Vinyl”?, micro blogging, la blogosfera: Prisa macht die Schotten dicht, Galore letztmalig am Kiosk, “Connecting knowledge to the people”, Axel Springer Polen vs. Blogerka Kataryna, Tanzeinlage III, “Experience is the new reality”, Blockademeister Burda und Online-Geschäftsmodelle, Microcontent, Textatome und Zitationskartelle, Ziel erreicht, Gregor, “God is creativity”, Tja - Vodafone - So, Machen wir uns nichts vor VII, Fünf kursorische Thesen zum Internet, Tanzeinlage IV, Nischenjournalismus, Tanzeinlage V, Think local, act global, Der Bürger als fleischgewordener DPA-Ticker, Doppelmoral à la Wiwo, Freemium im Praxistest, Freiheit und Verantwortung, Korn, Revolution der Kunst, Was ich gelernt hab, Gut beraten mit Piraten?, Tanzeinlage VI, Onkel Ho meets Dildoking, Internet-Manifest: 2 cl Nepotismus, nun mit Beipackzettel, Bezahlinhalte und Bruttoinlandsprodukt, Tanzeinlage VII, Klarmachen zum Kentern, Eher eine Liebes- als eine Tanzeinlage…, Mauerpark: Gras statt Beton bitte, Was ist mit den Nichtwählern?, Soziale Netzwerke: Vorboten des Neohumanismus?, Video zum Sonntag: Jesus 2000, Schattenseite der Aufmerksamkeitsökonomie, Tanzeinlage VIII, Ist gänzlich gläsern gut?, Adam Soboczynski und die Antichambrierer, Tanzeinlage IX, Digitale Entblätterung: Ab- oder Alpdruck?, Info-Adipositas - Risiken und Nebenwirkungen, H1N1: Staatsdiener offenbar wichtiger als Kinder, Tanzeinlage XI, H1N1 - Nachtrag, Das Internet und das Geistesleben, Tanzeinlage XII, Es ist tatsächlich Herbst, Technologiebewertung: Shirky und Schirrmacher, Gegoogelte Gourmet-Gäste, “The Post-Everything Economy”, Tanzeinlage XIII, Groschenromane sind kein gehirnmuskelfreier Raum, Das Geld und die Internetbestimmer, Machen wir uns nichts vor VIII, Tanzeinlage XIV, Der Peijas der Woche: Eric Schmidt, Schütteleinlage, Machen wir uns nichts vor IX, Dahinten dräut es schon…, Gefiltertes Brunnenwasser für alle, Zuckerberg bekennt sich zum Webnudismus, Old-School-Outing, Machen wir uns nichts vor X, #aufmerksamkeitserheischungskultur, Kulturpessimismus vs. Selbstverteidigung, Realität, mit Werbung angereichert, Tanzeinlage XV, War es der Winter oder war es die Liebe?, Ach was!, Tagebuch eines Klugscheißers, Tanzeinlage XVI, Im eigenen Saft, Tanzeinlage XVII, Doktrinärer Katzenjammer, Machen wir uns nichts vor XI, Arbeit, Kapital, Daten, Mantra, Abgeschwabt, Daydream Nation, Philosophie des Geldes, Alles hat ein Ende . . ., Über Internetionalisierungsdebattendefizite, Tanzeinlage XVIII, Frühlingsanfang, Technoider Determinismus, Ziemlich unklares Dings, Startup statt Marke, Machen wir uns nichts vor XII, Try shit, Inbegriff der Permanenz, #rp10, Brunftzeit der Platzhirsche, Private Censorship, Tanzeinlage XIX, Machen wir uns nichts vor XIII, Internet: Massenmedium, Kulturraum oder Werkzeugkiste?, Freie Kultur: Netzbasierte Ökosysteme im Dienste globaler Wissenskonzerne?, Über die Weisheit, Tanzeinlage XX, Machen wir uns nichts vor XIV, Leben ist nicht planbar, Tanzeinlage XXI, Machen wir uns nichts vor XV, Coke and Tarts, Öfter mal abbiegen vom Pfad, Machen wir uns nichts vor XVI, Tanzeinlage XXII, Auf der Suche nach Knotenpunkten, Geschäft ist Geschäft, Tanzeinlage XXIII, Ihr Tröten!, Protokoll, Das alte Verlagsschiff und ein Seemann in der Spätpubertät, Machen wir uns nichts vor XVII, Lucky Looser, Maradona, Minirant zum Megarauchverbot, Tanzeinlage XXIV, Machen wir uns nichts vor XVIII, Cognitive Surplus als Label, Machen wir uns nichts vor XIX, Zwischen Krautrock und Transhumanismus, Ohnegleichen, Vilém Flusser: Der Mensch als digitales Projekt, Tanzeinlage XXV, Tanzeinlage XXVI, Noch sind Atome mobiler als Bits, Laubenpieper und Datenkraken, Sommerhit, berlin en miniature, Boulevard, Ein Plädoyer für mehr Bildung, Bücher lesen als Stigma, Stuttgart 21, Machen wir uns nichts vor XXI, Tanzeinlage XXVII, “Supermeme”, Digitaler Politaktivismus (”Supermeme II”), Tanzeinlage XXVIII, Aufmerksamkeitsgetriebener Mentalkapitalismus, Zapateros Kotau, Machen wir uns nichts vor XXII, Boulevard II, Keine Ahnung, Tanzeinlage XXIX, Kunst des Handels, Ameisen, Evolution, Meme und Sarrazin, Tanzeinlage XXX, accounting societies und die folgen, Machen wir uns nichts vor XXIII, Boulevard III, Technologie verschluckt Verknüpfungen, Neukölln und Caffè Latte, Ein Dogma aus der präfacebookschen Phase, Nächste Gesellschaft für Anfänger, Tanzeinlage XXXI (wenn die Musikindustrie nichts dagegen hätte), Machen wir uns nichts vor XXV, Generation Facebook, facebook por un tubo, Tanzeinlage XXXII, Dokument der Entfremdung, Boulevard IV, Machen wir uns nichts vor XXVI, Atemberaubend, Ein schräges Leck, Wurstsalat, Lawinengefahr, Tanzeinlage XXXIII, thorstena zwanzigzehn, Nordharz/Nordwinter, Tanzeinlage XXXIV, #postdemokratie, Machen wir uns nichts vor XXVII, Empirie-Faustformeln für große Datenmengen, 10, Flucht ins Elementare, Runter von den Ego-Inseln, Blogkrise? Welche Blogkrise?, Tanzeinlage XXXV, Auf der Straße, The revolution will be live, Machen wir uns nichts vor XXVIII, Hyperindividuell, Tanzeinlage XXXVI, Boulevard V, betriebsblind und/oder kommerzgetrieben, Wagner hat recht, Indignez-vous!, Wagner hat unrecht, parole parole, Ausblick, Nicht allerorten, Machen wir uns nichts vor XXIX, we are the wine (not the bottle), Machen wir uns nichts vor XXX, zwo von fünf, Tanzeinlage XXXVII, Zurück zu den Dingen, Tanzeinlage XXXVIII, Kreativität und Schwerkraft, Tanzeinlage XXXIX, Postdemokratische Systemrelevanz, Tanzeinlage XL, re:publica balla balla hasskappenpogo, #rp11, Mitspracherechte in der Digitalen Gesellschaft, Machen wir uns nichts vor XXXI, Romelus Baby, Tanzeinlage XLI, Spargel, Mehr war nicht, Die neue Macht, Tanzeinlage XLII, Machen wir uns nichts vor XXXII, democracia real ya, Nicht von ungefähr, Schluck aus der Postdemokratie-Pulle, Odessa, Machen wir uns nichts vor XXXIII, Boulevard VI, Hunger?, Digitale Grenzgänger/Boulevard VII, Auf der Suche nach Knotenpunkten II, Erste Anzeichen von Altersweisheit, Tanzeinlage XLIII, Aufmerksamkeitsklimmbimm, Economies of small vs. Economies of scale, Tanzeinlage XLIV, Sommerlektüre, User und Kunden im Zeichen des Plus, Tanzeinlage XLV, Konservative Killerapplikation, Tanzeinlage XLVI, Frank Schirrmachers Killerapp und die (ersten) Folgen, Katze in Schwanz, Machen wir uns nicht vor XXXIV, Tanzeinlage XLVII, Killerapp-Coda, Fremdgegangen, eine kleine (gewertete) beobachtung, Mütter in Schwabylon, Google und Gedächtnis, Tanzeinlage XLVIII, Eine an sich belanglose Visualisierung und eine ebensolche Anmerkung zum Thema Tastaturkotze, Sechs Gründe, um Daten zu misstrauen, Die LOLcat als Netzwerkvokabel, Katzen als Werbeträger, Machen wir uns nichts vor XXXV, Lernen, unter Wasser zu atmen, Tanzeinlage XLIX, Zwotausendelf, Machen wir uns nichts vor XXXVI, #soziologie, Tanzeinlage L, #transparenztücken, Mehr Schnaps im Dienst und umgekehrt #Sennett(2), Das große Chippen, Sach- und Sozialdimensionen des bedingungslosen Einkommens #Sennett(3), Tanzeinlage LI, Nicht doch, Machen wir uns nichts vor XXXVII, Ein Brocken Kälte, Digitaler Klimawandel, Russische Wurstparade, Tanzeinlage LII, Gauck, Beschleunigter Cyberpuls, Tanzeinlage LIII, Robotmania, Robotronaldinho, #design, Tanzeinlage LIV, In der transparadigmatischen Sackgasse, Machen wir uns nichts vor XXXVIII, Die Mutter der Piraten?, Links (15.04.2012), Das Internet und die Folgen, Machen wir uns nichts vor XXXIX, Tanzeinlage LV, Links (22.04.2012), Politik lässt sich als Markt gestalten - der Gründungsmythos der Piratenpartei?, Von der unerträglichen Langsamkeit der Politik und der Frage, ob es wirklich eine kluge Idee ist, die Demokratie zu beschleunigen, Links (29.04.2012), Über das Risiko, Links (06.05.2012), Tanzeinlage LVI, Links (13.05.2012), Social Media und menschelnde SAPisierung, Links (21.05.2012), mein kind ist geiler als dein kind, Zuckerberg auf den Spuren Quételets, Links (28.05.2012), Spiele sind Regelsysteme, Links (03.06.2012), Machen wir uns nichts vor XL, Eure Öffentlichkeit, Von der Massen- zur Schwarmgesellschaft, Zivilgesellschaft und Internet bei Windstärke 4, Tanzeinlage LVII, Menschen als Microcontent, Verstand ist etwas für Anfänger, Machen wir uns nichts vor XLI, small pieces loosely joined, Der Excelant, An Quantitäten orientiert, Note to myself, Für Charly, politics of reason, 4 Jahre thorstena.de, Eine Offenlegung meines Blogger-Exoskeletts, Machen wir uns nichts vor XLII, Tanzeinlage LVIII, Teufelskreis Aufmerksamkeitsökonomie, Links (27.10.2012).

Auf weitere 4 erquickliche Jahre Pogolektüre aus Digitalien!

Links (27.10.2012)

Das Königsdrama ist immer noch das beste Narrativ, um Skandale zu beschreiben. Über Möglichkeiten und Grenzen einer Erzählform am Beispiel des Falls der Swiss Air schreibt der Schweizer Journalist Constantin Seibt auf seinem Blog Deadline.
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Thomas Macho, der Kulturwissenschaften an der Humboldt-Uni in Berlin lehrt, hat in der NZZ einen Abriss über Menschen, Tiere und Maschinen veröffentlicht.

Nach Macho ist die Abgrenzung des Menschen von den Tieren und damit von allem anderen (also auch den Maschinen) nicht schon Produkt der antiken Philosophie, des Monotheismus oder der Renaissance, sondern erst des Industrialismus:

Der Paradigmenwechsel von den agrarischen zu den industriellen Maschinen kann kaum überschätzt werden; ihm verdanken wir den wirtschaftlichen Reichtum und die technischen Triumphe der letzten zweihundert Jahre. Ihm verdanken wir aber auch eine radikale Verdrängung der Tiere aus den meisten Lebensbereichen: den praktischen Siegeszug einer Wissenschaft vom Menschen, die der Separation von Tieren, Menschen und Maschinen eine theoretische Legitimation zu geben versuchte.

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David Weinberger erinnert uns daran, dass sich Fakten, Wahrheit, Wissen und Objektivität nicht erst im Informationszeitalter als historische Konstruktionen entpuppt haben, indem er in zwei Blogposts (1 und 2) anhand des Wahrheitsbegriffes Martin Heideggers klarstellt, dass es schon immer Zeiten gegeben hat, denen es guttat, ihren Wahrheitsbegriff etwas aufzulockern und so andere Wahrheiten möglich zu machen: ein ungemein beruhigender Gedanke, wie ich finde:

Heidegger’s notion that truth is the world showing itself to us, and it shows itself to us differently depending on our projects.

It’s phenomenologically true: the onion shows itself differently whether you’re intending to cook it, whether you’re trying to grow it as a cash crop, whether you’re trying to make yourself cry, whether you’re trying to find something to throw at a bad actor, etc.

I understand that when Heidegger was writing Being and Time in the 1920s, it was important to try to relax our culture’s commitment to scientific objectivity in order to allow more types of truths to appear – more ways that the world shows itself to us.

Almost a hundred years later, with a brand new medium for knowledge, truth, and disclosure, it is time to re-assert science’s privileged (yet still human and imperfect) position as we try to come to agreement across cultures about what we need to do in order to live together on this earth.

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Es gibt vielleicht ein paar 100 Netzwerkingenieure weltweit, die sich alle persönlich kennen und das Internet schmeißen, sagt der Architekturkritiker Andrew Blum in einem Interview mit Andrian Kreye.

Klassische Geeks. Unfassbar intelligent und sehr selbstbewusst, was diese Intelligenz betrifft. Da herrscht dann auch so eine Gladiatorenkampfstimmung, weil jeder von ihnen glaubt, dass sie genau wissen, wie man am besten vorgeht.

Kreye fragt: Und die betreiben den Backbone des Internets?

Das Netz ist feinmaschiger geworden. Einige Anbieter von Inhalten sind inzwischen selbst globale Netzwerke geworden. Google, Microsoft und Facebook betreiben ihre eigenen Netze und sind so zu ihren eigenen Backbones geworden. Deswegen sind die Knotenpunkte so wichtig geworden.

Ein weiteres Charakteristikum: die Nähe der physischen Bestandteile des Internets zu den historischen Handelszentren - sinnfälliger Ausdruck seiner unmittelbaren Verwandtschaft mit Kapitalismus und Globalisierung:

Was mich wirklich erstaunt hat, war, dass die physische Infrastruktur den alten Handelsrouten folgt. Die Unterseekabel verbinden dieselben Orte, die schon immer miteinander verbunden waren – New York, Lissabon, Mombasa, Mumbai, Singapur. Im Landesinneren sind es auch die traditionellen Handelsstädte – Frankfurt, Guangdong.

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An dieser Stelle trifft sich die Aussage Blums mit der des Algorithmus-Experten Kevin Slavin, der einen ganz einfachen Grund dafür präsentiert, warum zum Beispiel in New York die Bauwerke rund um die Wall Street inzwischen eher algorithmischen als menschlichen Bedürfnissen angepasst werden: Der Hochfrequenzhandel sucht die Nähe zur Börse, um mit den jeweils eigenen Algorithmen diesen einen Sekundenbruchteil schneller zu sein als die Konkurrenz (via):

It takes you 500,000 microseconds just to click a mouse. But if you’re a Wall Street algorithm and you’re five microseconds behind, you’re a loser.

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