Man sollte das Netz auch nicht zu ernst nehmen. Und überhaupt: diese ganze Street-View-Debatte. Irrationale Ängste und Culture-Clash-Fronten auf der einen Seite; Charakterlose und asoziales Pack auf der anderen.
Ehrlich gesagt bin ich ganz schön angenervt - jetzt nicht nur von dieser speziellen Debatte, sondern auch von der so genannten und viel beschworenen Diskussionskultur im Netz überhaupt. (Ja ja, ich weiß, ist jetzt auch nichts Neues).
Ich für meinen Teil bin seinerzeit nicht ins Netz und ans Bloggen gegangen, um Recht zu haben, sondern weil ich neugierig und an fachlichem Austausch interessiert war (und bin). Militante Rechthaber kenne ich im kohlenstofflichen Leben bereits zu Genüge. (Aber das ist natürlich naiv; das hat so ein bisschen was von Sozialwissenschaften studieren statt Jura oder BWL, weil man meint, da trifft man einfühlsamere Naturen; dabei ist wahrscheinlich nur die Häufung von Toleranzfanatikern und Doppelnamenträgern anders als anderswo.)
Aber aufhören und den Leberhorst machen ist natürlich auch keine Lösung. Wie gesagt: Nicht zu ernst nehmen, das Ganze.
Also halte ich mit meinen begrenzt-bescheidenen Mitteln dagegen und picke ab sofort ab und zu ein Zitat oder einen Wortwechsel aus dem Netz heraus, das oder der mich amüsiert hat, lustig oder geistreich ist. Den Anfang mache ich mit einem Zitat über einen Netzprotagonisten, der hier allen bekannt sein dürfte: Sascha Lobo. (Und das hat übrigens jetzt gar nichts damit zu tun, wie genau er zu street view steht.)
Sascha habe ich hier schon einmal als eitlen Pfau bezeichnet, aber eingeräumt, dass ich ihn nicht kenne, und meine Meinung gerne korrigiere, falls ich das Kennenlernen vielleicht mal bei einem Kaffee nachholen darf. Das haben wir mal nachgeholt, und - ohne ihn jetzt wirklich wirklich zu kennen oder gar mit ihm richtig richtig befreundet zu sein: Er ist in Ordnung. Vielleicht ist er sogar schwer in Ordnung. Auf jeden Fall ist er mir sympathisch. Und - auch wenn das einigen ja so gar nicht in den Kram passt - es ist ganz wichtig für die deutsche Webgemeinde, dass es ihn gibt. Allein weil er in seiner nach wie vor exponierten Position als “Internet-Erklärer für den Mainstream” anders als viele andere in der Lage ist, sich selbst zu hinterfragen und nicht alles im Netz unbedingt allzu ernst nehmen muss.
Ja, ich glaube, der Mann hat Humor.

Aber er ist natürlich auch “ein kluger Kopf, obwohl er Werber ist”, was Martin Lindner einmal über ihn gesagt hat, bei dem sich in meinen Augen einige eine Scheibe abschneiden können, wenn es darum geht, Ehrlichkeit und Höflichkeit im Webdiskurs geistreich zu kombinieren. Und das hat er zum Beispiel mit folgendem Zitat, das aus einem Text zum Thema “Identität 2.0″ stammt, blumig unter Beweis gestellt:
Die alte “bürgerliche Fassade” gibt es nicht mehr. Das Private und Intime ist längst so durcheinander geraten wie jetzt unsere Vorstellung von Öffentlichkeit. Das Abendland ist untergegangen. Im Fernsehen spricht das Internet in Gestalt eines höflichen Mannes im Anzug, der einen orangen Irokesen und einen Asozialen-Punker-Schnauzbart trägt. Und selbst der weiß nicht genau, wie er künftig sein Geld verdienen wird: Die lustige Lifestyle-Werbung, die er als Werbetexter einmal machen wollte, ist ja auch schon von Gestern.
(So in etwa stelle ich mir Diskussionsbeiträge im Netz vor: exakt und kritisch einerseits, aber auch mit einem Schuss Empathie für den Kritisierten andererseits. Auf jeden Fall aber in einem Ton, der einen anschließenden Dialog zulässt, vielleicht sogar befördert - aber das ist wahrscheinlich erneut naiv.)