Archiv der Kategorie ‘Bilder und Symbole‘

 
 

Tanzeinlage LXV

Armin Chodzinski meint, dass man tanzen muss, was man nicht versteht. Um “die Sedimente des Handelns” sichtbar zu machen, bewegt er sich deshalb zu Theorien und Begriffen - in diesem Fall zu dem ominösen Wörtchen “Kontrolle”.

Was Heinz von Foerster sagt

Heinz von Foerster sagt: “Yes”. Ich finde das unterstützenswert. Wir sollten das alle miteinander viel häufiger tun (via Michael Wald).

Tanzeinlage LXIV

Reggie Watts - “Fuck Shit Stack” from Benjamin Dickinson on Vimeo.

Reggie Watts ist ein coole Sau, loves the concept of a woman and don´t give a fuck. (Außerdem ist er unheimlich lustig, obwohl er in Stuttgart geboren wurde.) Was will man mehr?

Tanzeinlage LXIII

Hey, Tanzen ist ne Lebenseinstellung - Musik hin oder her. Mario Wienerroither weiß das und zieht eben die Musik aus Musikvideos heraus. Dann vertont er diese nachträglich, je nachdem was in den Videos zu sehen ist. Hier am Beispiel Jamiroquais Virtual Insanity (via Kottke).

Kurzformel

radikale Privatisierung des Öffentlichen + radikale Öffentlichkeit des Privaten - Konformismus = das Web als inwendig gestülpte Gesellschaft.

Tanzeinlage LXII

Stroker Ace von Lovage, einem Projekt des US-amerikanischen Hip Hop-Produzenten Dan The Automator, unter anderem mit der großartigen Jennifer Charles (via trixietreats).

100 Jahre Willy

Ein Zeitalter, zwei Geschichten: Das Jahr 1913 ist der Vorabend der Katastrophe zweier Weltkriege, und das illustriert uns auf der einen Seite Florian Illies, “der empfindsame Diagnostiker des Zeitgeistes”, in seinem Sachbuch-Bestseller “1913″ anhand des Geisteszustandes der schreibenden Köpfe und Eliten des beginnenden Zeitalters der Extreme (Eric Hobsbawm).

Doch damit hatte auf der anderen Seite das Leben des im nördlichen Harzvorland gelegenen Lochtum am 22. September 1913, dem Geburtstag meines Großvaters, wenig bis gar nichts zu tun. In diesem Leben der Landwirte und Handwerker, Mägde und Knechte, der kleinen Händler und dünnes Bier verkaufenden Gastronomen, in der allein der Dorfschullehrer und der evangelische Pastor mit einem Bildungspaket jenseits der wenigen Jahre Volksschule ausgestattet waren, gab es vor allem eines im Überfluss: harte körperliche Arbeit. Feinere Klamotten wurden nur zu Feier- und Festtagen angezogen, dafür genügte den Männern ein einziger Sonntagsanzug - selbst wenn die Hosenbeine über die Jahre ein wenig zu kurz gewaschen worden waren. (Wobei das nun folgende Foto wohl in den 1970er Jahren aufgenommen worden ist …)

Auch diese Generation der Arbeiter und Landleute sollte im nächsten Krieg verheizt werden - genau wie die Generation davor: Mein Großvater verlor seinen Vater vier Jahre nach seiner Geburt; 1917 wurde er Opfer eigener Artilleriegeschosse in der Nähe von Riga. Es kann gut sein, dass der Tod seines Vaters meinem Großvater später das Leben rettete. Denn die Nationalsozialisten schickten die Kriegswaisen in den ersten Jahren des Zweiten Weltkriegs nicht an die Front. Das kam erst später. Hinzu kam, dass er bis Anfang der 1940er Jahre regelmäßig seinen Bauernhof bewirtschaften durfte, um die Ernte einbringen zu können: Gerste, Weizen, Roggen, Hafer und Zuckerrüben in der Hauptsache.

Als er dann an die Front musste, hatte er erneut Glück: In Frankreich geriet er bei einem Spähgang in die Gefangenschaft kanadischer Soldaten. Daraufhin wurde er nach England verschifft , wo er bis Ende der 1940er Jahre als kriegsgefangener Erntehelfer in einer Gruppe als politisch harmlos eingestufter Arbeiter der englischen Landwirtschaft dienen musste. Von den Engländern sprach er immer mit großem Respekt, wobei er darauf pochte, das die den verdammten Krieg angefangen hätten. Da war mein Großvater deutschnational, wie es sich für einen ordentlichen Bauern gehörte; ein Nazi hingegen war er nicht, und wenn er auch kaum über sie zu sprechen bereit war, so gab es jedoch keinen Zweifel, dass er sie verachtete.

In der Gefangenschaft lernte er vor allem zwei Dinge: Schach und die englische Sprache. Letzteres nutzte er, um als Mittelsmann mit den Engländern die informellen Geschäfte auszuhandeln, um auch einmal an eine Extraportion Fleisch, eine Flasche Schnaps oder Tabak heranzukommen. Als Nichtraucher schickte er die Rationen immer nachhause zu seinem Schwiegervater, der sehr gerne paffte - ich kann mich erinnern, dass meine Großmutter eine plattgedrückte Zigarre aufgehoben hatte. Sie war so dünn gepresst, dass sie in einen Briefumschlag passte. Nur so durfte man berechtigte Hoffnung hegen, dass der Brief auch ungeöffnet seinen Weg in den Harz fand.

Meine Großmutter (weiter oben auf dem Foto die zweite Frau von links) war die Tochter einer Dorflehrer- und Gastwirtfamilie, die aus Aspenstedt bei Halberstadt gekommen war, um sich ein Haus zu kaufen und den Gasthof Lampe (oben auf der Postkarte) aufzumachen - eine kleine, quirlige Frau, die anzupacken wusste und die er zu Kriegsbeginn geheiratet hatte. Sie bekamen noch während des Kriegsgeschehens eine Tochter: meine Mutter.

Als er dann einige Jahre nach Kriegsende wieder nach Lochtum durfte, hatte das Dorf dreimal so viele Einwohner; allein in seinem Haus wohnten zwei schlesische Flüchtlingsfamilien und ein katholischer Geistlicher, der die Angewohnheit hatte, beim Koten die Tür des Plumpsklos nie abzuschließen und so manchmal peinliche Situationen entstanden. Es gibt die Geschichte, dass diese Marotte des Gottesmannes meinen Großvater so nervte, dass er kurzerhand die Tür der Toilette aushängte und wegschloss. Der Geistliche behalf sich danach mit einem aufgespannten Regenschirm, um seine Würde zu bewahren.

Im Laufe der nächsten Jahre gab es viel Hunger und Arbeit, aber nach und nach wurden die Flüchtlinge auf dem Hof weniger, die Kühe gaben mehr Milch, weil sie ordentliches Futter bekamen, und die Pferde und Ochsen wurden langsam, aber sicher von den Treckern abgelöst. Nebenbei half er bei den großen Festen auf dem Trinkstand meiner Urgroßmutter mit und stand dann gerne oben auf dem Fassbrausewagen, um den Überblick zu behalten …

Ende der 1970er Jahre hörte er mit der Landwirtschaft auf und überließ meinem Vater sein Land. Für meine Mutter war als Bauerntochter auch 1964 ein Bauernsohn vorherbestimmt. Bauer heiratet Bäuerin, so war das üblich. Er selbst machte weiterhin das, was er immer gemacht hatte: vor dem Morgengrauen aufstehen und sich Arbeit suchen. Er funktionierte wie ein Uhrwerk, war knorrig, eigensinnig und wenn er zornig war, war seinem Blick schwer standzuhalten. Er nieste ohrenbetäubend, wenn er angetrunken war, und er war unerbittlich, wenn es um die Bewältigung solch überaus unangenehmer Arbeiten wie Unkraut aus Zuckerrübenfelder hacken ging. Er brachte sich nach der Gefangenschaft Französisch bei, behielt sein Englisch und las viel. Er teilte sich das Abo für eine lokale Tageszeitung mit seinem Freund und Nachbarn und akzeptierte, dass er derjenige war, der die Zeitung mit einem Tag Verspätung bekam. Er brachte mir und meinem Bruder Skat und Schach bei.

Das Ende war traurig: Überrascht vom unerwarteten Tod meiner Großmutter, verlor er langsam, aber sicher seinen Lebensmut. Er starb einige Jahre später im Alter von 86 Jahren.

Willy Lohmann hieß mein Großvater. Aber alle nannten ihn Wilhelm. Am Sonntag wäre er 100 Jahre alt geworden.

Tanzeinlage LXI

Mehr Sommernächte!

Tanzeinlage LX


Lady Gaga ist ja gar nicht so beliebt, wie ich dachte - auch nicht bei Die Antwoort aus Südafrika.

(hey, ein Spruch, dat ist Metaphorik und Performance formerly known as Kunscht.)

Placebo

Tipp an mich selbst: Öfter an diesen Spruch denken, wenn der Kopf mal wieder mit dunkler Materie angefüllt ist.

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