la vida es una tombola
Die hohe Kunst der Führung, die hierzulande aus den bekannten historischen Gründen gerne neudeutsch als leadership bezeichnet wird, erfordert - sagen derzeit alle Experten - vor allem bestimmte charakterliche Merkmale. Mehr noch als Fachwissen.
Seit die bösen bösen Manager unter Beweis gestellt haben, dass Sie die Kohle, die sie sich in die eigene Tasche stecken, nicht aus dem Nichts generiert wird, sondern durchaus mal an anderer Stelle fehlen kann (Finanzkrise), ist auf angelsächsischen, businessorientierten Blogs ein Thema richtig angesagt: the art of leadership.
Ich zitiere: “During these difficult economic times clear and meaningful communication is critical. People are looking to their leaders for direction and hope.”
Vielleicht wird die Musik aber auch ganz woanders gespielt? Eventuell ist die Avantgarde der Businesswelt weder US-amerikanisch noch chinesisch, oder indisch, oder russisch, oder dubai-isch? Kohle ist halt doch nicht alles.
In Sachen leadership ist die Avantgarde…
…argentinisch: TUSCH!
Diego Armando Maradona, Fußballgott, ist der neue Nationaltrainer Argentiniens!
httpv://www.youtube.com/watch?v=tt4P_iAjA_A
Das dürfte doch allen verkannten Führungspersönlichkeiten Hoffnung machen: Kein Skandal, keine Drogensucht, weder Fettleibigkeit noch mangelnde Erfahrung, auch nicht Doping oder Dummheiten, noch nicht einmal die Freundschaft Castros und Chavez’ wiegen das auf, was gemeinhin als Halo-Effekt bezeichnet wird - wenn also bestimmte Merkmale eines Menschen alle anderen Eigenschaften in den Hintergrund treten lassen.
Maradonas ganz persönlicher Halo-Effekt ist, das weiß die Herald Tribune zu berichten, dass er nach eigener Aussage das männliche Pedant zu Evita Perón sei: Maradona, (Fußball-)Gott!
Wie dem auch sei, die Argentinier nehmens erstaunlich locker, der Sportableger Argentiniens größter Tageszeitung, Clarin, problematisiert die Entscheidung überhaupt nicht, spekuliert über Personalien und zitiert des Landes derzeit größten Star, Lionel Messi, mit den Worten, ich übersetze mal frei: “Diego als Trainer: Das ist der Traum meiner Mama.”
Die Deutschen indes verstehen mal wieder gar nichts und bemühen sich um Hintergründe, so zum Beispiel der (von mir hoch geschätzte) Journalist Jens Weinreich. Ich empfehle allen Romantikern mit der lesenswerten Lektüre seines Blogeintrages einige Tage zu warten, ist dem Halo-Effekt einfach nicht zuträglich: Die Inthronisierung Diegos sei das Werk des anrüchigen Julio Humbertos Grondonas, des “Paten des argentinischen Fußballs”, um seine Pfründe zu sichern, schreibt Weinreich und zitiert den argentinischen Journalisten Ezequiel Fernandez Moores zum Thema. Ein tolles Detail sei aber noch verraten: Grondona, schreibt Weinreich, trage einen “schweren, goldenen Siegelring”, auf dem stehe sein Motto: Todo pasa.
Todo pasa!
