Monatsarchiv für Mai 2009

 
 

Im digitalen Fleischwolf: Ach, Adam!

Warum Adam Soboczynski sich mit seinem Artikel “Das Netz als Feind” blamiert hat.

Es gibt Ärzte, die keine Patienten mögen; Lehrer, die Schüler verachten; Vorgesetzte, die nach oben buckeln und unten treten; Verkäufer, die Kunden nicht mögen; Professoren, die Studenten für blöde halten, Staatsdiener, die Bürger gängeln; Politiker, die Wähler verkackeiern und und und.

Warum sollte es nicht auch Journalisten geben, die Leser nur dann toll finden, wenn sie die Schnauze halten? Ist doch ganz normal hierzulande.

Nur: Derzeit wird die Journaille an sich gerne mal durch den digitalen Fleischwolf gedreht, wenn einer ihrer Exponenten doch mal die Traute hat, seinen Vorbehalten freien Lauf zu lassen. Ich muss sagen: Schade, dass es nun ausgerechnet Adam Soboczynski trifft. Zurecht trifft. Denn eigentlich ist der Polski-Tango-Autor einer, den ich schätze. Mit seinem jüngsten Artikel in der Zeit, “Das Netz als Feind”, aber hat sich schlicht und ergreifend verhauen.

Soboczynski hat sich offenbar noch nicht damit abgefunden, dass auch bei der Zeit Leser Artikel kommentieren dürfen – und darüber hinaus auch von dieser Möglichkeit Gebrauch machen. Und so nahm er offenbar einen kritischen Leserkommentar zu einem seiner Artikel zum Anlass, diesem ganzen (aus seiner Sicht offenbar) egalitären Internetzmist in Bausch und Bogen zu verurteilen.

“Wurmfortsätze” seien die Kommentare zu Feuilletonartikeln typischerweise. “Antiintellektuelle Hetze” finde dort statt; Und “Unverstandenes” werde dort nicht als “Antrieb” begriffen, “Bildungs- und Konzentrationsdefizite zu beheben”.

Es zeigt sich recht deutlich, dass Soboczynski einen Internet-Führerschein gebrauchen könnte: Allein mit der Behauptung, das Internet kenne “kein Zusammenwirken von Texten unterschiedlichen Anspruchs und Zuschnitts zum höheren Ganzen”, würde er jedenfalls durch die theoretische Prüfung fallen.

(Gero von Randow hat – ebenfalls in der Zeit – den Artikel Soboczynski bereits in Gänze seziert. Es lohnt sich, auch diesen Artikel zu lesen.)

Es ist übrigens bezeichnend, dass Soboczynski folgenden Satz im Präsens geschrieben hat:

“Da der Intellektuelle aus der Mehrheitsdemokratie geistesaristokratisch herausragt, ist er der Einzige, der die Bedingungen der Staatsform, in der er lebt, zu reflektieren vermag.”

Da möchte man fragen: In welchem Jahrhundert lebst Du, Adam? Selbst im vergangenen gab es nicht allzu viele Intellektuelle (Havel vielleicht, oder Michnik), die sich von irgendeiner Staatsform “geistesaristokratisch” absetzten, geschweige denn von einer demokratischen. Aber im 21. Jahrhundert?

Soboczynski zitiert Adorno und Ortega y Gasset. Ich würde ihm als nächste Lektüre Bourdieux empfehlen. Vor allem die Passagen, in denen er Sprache als Herrschaftsinstrument beschreibt. Dann sähe er vielleicht, dass er einem Irrtum aufgesessen ist: “Der Intellektuelle” wird keineswegs “im Internet mit Hass verfolgt”. Es sind eher die Intellektuellen, die die so genannte Masse mit Hass betrachten und sich von ihr abgrenzen wollen – was ja nicht neu ist, wie Gero von Randow in seiner Entgegnung ganz richtig angemerkt hat.

Vor allem aber geht es im Internetz nicht um “das Diktat der Mehrheit”. Es geht vielmehr um Teilhabe. Oder um es mit Peter Kruse zu sagen:
Die Leute wollen Partizipation.”

Es wäre schade, wenn die Intellektuellen das nicht zu schätzen wüssten. Auch die selbst ernannten wie Adam Soboczynski.

Der Spielverderber

Cem Basman hat den Blogeintrag zu Don Alphonso alias Rainer Meyer geschrieben, den ich hätte schreiben wollen, wenn ich dazu in der Lage gewesen wäre und darüber hinaus gewusst hätte, dass heute (s)ein Jubiläum ansteht.

Im Ernst: Ich glaube auch, dass der Gehuldigte eine ganz wichtige Funktion in der Blogosphäre hat - und eine unbequeme dazu. Man macht sich halt schnell unbeliebt, wenn man sich darauf spezialisiert hat, den ganzen Marketing- und Eitelkeitsblasen, die im Netz so herumschwirren, die Luft rauszulassen.

Dass auch meine Wenigkeit nicht immer seiner Meinung ist und seine Methoden gutheißt: geschenkt.

Machen wir uns nichts vor VI

 

“Der Exzess der Nichtigkeit aber erreicht seinen Höhepunkt, wo Heidi Nazionale mit Knallchargen-Pathos und einer Pause, in der man die Leere ihres Kopfes wabern hört, ihre gestrenge Entscheidung mitteilt und wertes von unwertem Leben scheidet. Da möchte man sechs Sorten Scheiße aus ihr herausprügeln - wenn es nur nicht so frauenfeindlich wäre”.

Roger Willemsen bewertet in der taz, wie Heidi Klum in ihrer TV-Show

Germany´s next Topmodel“ mit den Kandidatinnen umgeht.

“Diskurs-Check” im Freitag

Freitag-Redakteur Steffen Kraft hat sich das Zensursula-Thema vorgenommen und versucht, die Sache mal von der anderen Seite zu sehen: Statt die Regierung bei ihrem Bemühen, das Telemediengesetz zu ändern, kritisch zu hinterfragen, appelliert er an die Unterzeichner der Petition gegen die geplanten Änderungen und legt ihnen mit den Worten “Wappnet euch doch bitte besser” nahe, an Ihren Argumentationen zu arbeiten.

Das ist sportlich - angesichts der Reaktionen, die zu erwarten waren (”Schülerzeitung, Dreck“).

Ich muss gestehen, dass ich erst einmal einige Momente über den Text habe nachdenken müssen. Oder besser: Über die Intention dieses Textes. Ist es tatsächlich der Appell im Wortsinne, der schon aus der Überschrift hervorgeht? Oder doch eine Provokation, um die Community mal so richtig auf Trab zu bringen? Oder hatte der Autor seinen naiven Moment? (Könnte man spätestens dann denken, wenn Krafft in seinen Kommentaren zu den Kommentaren seinen Artikel nachträglich und beschwichtigend zum “Diskurs-Check” ausruft.)

Ich denke, in den Kommentaren zum Text ist auch im Großen und Ganzen an inhaltlicher Kritik alles angebracht worden, was dazu anzubringen ist. Ansonsten erkennt Krafft im letzten Drittel seines Textes ganz richtig, dass mit der Petition etwas wichtiges passiert sein könnte: “Der Erfolg der Petition zeigt, dass immer noch kritische Öffentlichkeiten entstehen”, schreibt er. Leider macht er sich anschließend über das Niveau der Debatten im Netz lustig, die er zuvor als “kritische Öffentlichkeit” bezeichnet hat - indem er von einem genutzten Kommunikationswerkzeug (Twitter) auf die Qualität der bislang vorliegenden Äußerungen schließt. 

Dabei hätte es just an dieser Stelle durchaus spannend werden können: Wenn es um das (politische) Potenzial einer deutschen Internetöffentlichkeit geht, könnte man zum Beispiel auch mal die eigenartige Aversion gegen Institutionen ansprechen, die im Netz so weit verbreitet ist. Denn die wird man irgendwann einmal brauchen, wenn sich eine wie auch immer geartete “krititsche Öffentlichkeit”, die im Internet entstanden ist, verstetigen soll.

Als vor einigen Tagen von Heise gemeldet wurde, der IT-Branchenverband Bitkom habe nun auch von der Bundesregierung Nachbesserungen im Gesetzesentwurf für das Telemediengesetz gefordert, interessierte das in der Blogosphäre aber kaum jemanden. Was natürlich auch damit zusammenhängt, dass der Bitkom seine Kritik meines Wissens öffentlich noch nicht geäußert hat; auf der Bitkom-Website findet sich momentan keine entsprechende Pressemeldung. Übrigens: Der konkurrierende “Verband für Internetwirtschaft” Eco begrüßt auf seiner Seite nach wie vor den Gesetzesentwurf. Eigentlich erstaunlich, dass IT-Wirtschaft und Internet-Aktivisten gedanklich offenbar Welten trennen. Da dürfte noch einige Lobbyarbeit vonnöten sein, um sich inhaltlich anzunähern.

Mehr Abwicklung als Neustart bei Galore

Es ist wirklich ein Jammer: Die Interviewzeitschrift Galore wird eingestampft. Es wird sie einmal noch zur 50. Ausgabe als bedrucktes Papier geben und danach vollständig ins Internet verlegt werden. Ob es ihr im Netz aber besser ergeht, ist zu bezweifeln.

Schließlich wird dann die Galore eine ganz andere sein, jedenfalls keine, die zum längeren Verweilen im Wohnzimmersessel einlädt, wie es bislang der Fall war. Es soll vielmehr zukünftig jeweils werktags ein Interview erscheinen.

Die Zeitschrift lebt von ihren in der Regel gut recherchierten, ausführlichen Interviews. So etwas wollen viele Leute auf dem Bildschirm vielleicht aber gar nicht lesen; und so unglaublich viele passionierte Internetausdrucker surfen ja auch nicht durch die Gegend.

Galore ist relativ jung und wurde 2003 erstmals gedruckt. Sie brachte seitdem in verschiedenen Längen und Zeittakten (nicht nur, aber vor allem) Interviews, die vornehmlich in der Popkultur beheimatet waren; Musik, Kunst, Gesellschaft, Politik, Schicksale: das ganze Programm eigentlich. Nur ausführlicher als normal und als reines Interviewmagazin in Deutschland das einzige seiner Art. Nun wurde also gemeldet, dass die Galore demnächst nur noch online zu haben ist und das mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten in einem schrumpfenden Marktumfeld begründet. Das Übliche also.

Wenn man jetzt gutmütig ist und keinen kommenden Tod auf Raten verkünden möchte, könnte man ja überlegen, ob Galore in der Lage sein wird, seinen Leserstamm auf die Online-Nummer einzuschwören. Dieser gilt ja als sehr wichtiges Kapital der Zeitungen und Zeitschriften, um die Auswirkungen der “Online-Revolution” überstehen zu können. Indem zum Beispiel im Netz aktive Nutzerbindung stattfindet, die so schnell so viel Austausch auf Augenhöhe ermöglicht.

Aber in dieser Hinsicht ist Galore richtig schlecht aufgestellt. Es wurde immer mal wieder eine gründliche Überarbeitung des Internetauftritts angekündigt. Bis auf einige Leseproben aus alten Heften gab es da nie viel zu lesen. Und das war es dann auch schon. Es gibt also einen (kleinen) Leserstamm (Auflage: 20000 im im ersten Quartal 2009 nach 86000 ein Jahr zuvor), aber es gibt keine Online-Community. Nicht die besten Voraussetzungen für einen erfolgreichen Start ins Internet-Zeitalter.

Bio vs. Ketwurst

Es bringt einige Nachteile mit sich, direkt an der Schönhauser Allee zu wohnen. Es ist unruhig und laut. Es ist immer Verkehr, und die im nördlichen Teil überirdisch verlaufende U-Bahn, die Tram und die zweispurige Ausfallstraße sorgen dafür, dass man sich in einem permanenten Virbrationszustand befindet. Außerdem kann man sich sicher sein, in schöner Regelmäßigkeit in seinem Schönheitsschlaf gestört zu werden - durch unangenehme Nachbarn zum Beispiel. Oder durch irgendwelche Werbezettelverteiler, die gerne Samstag Vormittag Klingelpost spielen und einen vollmüllen wollen.

Neulich hat mal wieder einer geläutet; und obwohl es sonnenklar war, dass es sich um papierene Angelegenheiten handeln wird, betätigten wir die Sprechanlage und fragten, was sei. “BIOWERBUNG” flötete eine ebenso einschmeichelnde wie fordernde Stimme. Und da war der Kohl fett.

Hier um die Ecke gibt es schon drei Bio-Supermärkte und einen Bio-Bäcker. Die Leute streichen ihre Wohnungen mit Biofarben und geben ihren Kindern so genannte Süßigkeiten zu essen, die sie beim Bio-Händler erworben haben und pappig schmecken und echte Plombenzieher sind. Und selbst die bislang augenfälligste Bastion ungesunden Essens in dieser Ecke, der Ketwurst-Imbiss an der Schönhauser Allee, hat inzwischen Bio-Currywurst im Angebot.

Noch wird man im Prenzlauer Berg in der Regel in Ruhe gelassen, wenn man sozialen Praktiken nachgeht, die nicht der Norm des Bionade-Biedermeier-Lifestyles entsprechen. (Es sei denn, man raucht auf den Spielplätzen.) Aber der Bezirk befindet sich, wenn er so weiter macht, auf direktem Wege in eine Gesinnungskontrollenkultur.

Ketwurst gibt es am besagten Imbiss nach wie vor. Wir haben die Bio-Werbung in die Tonne gekloppt; und ich hab einen Ost-Hot-Dog fotografiert, um ihn mir anschließend einzuverleiben.

Biometaphern mag ich nicht

Wir wird ja immer blümerant, wenn Leute über das Internet fabulieren und dafür Begriffe aus der Biologie gebrauchen. Ich finde das wenig hilfreich. Man kann das Netz und die Entwicklungen, die es mit sich bringen wird, gerne positiv sehen. Aber die Biometaphern, die dafür herangezogen werden, sollte man schon kritisch hinterfragen.

Das britische Prospect Magazine brachte zum Beispiel jüngst einen Briefwechsel zwischen den Journalismus-Experten Stephen Johnson und Paul Starr, in dem letzterer die Hoffnung äußerte, dass das Netz fürderhin die Rolle für eine öffentliche, demokratische Meinungsbildung spielen könne, die bislang der klassische Printjournalismus innegehabt hat - bevor er in die wirtschaftliche Krise geriet, in der er derzeit auch des Internets wegen steckt. Um dies zu veranschaulichen, beschreibt Starr das Netz als sich in der Reifung befindliches Ökosystem:

One way to think about that transformation is to think of the media as an ecosystem. In the way it circulates information 
today’s media is, in fact, much
 closer to an ecosystem than the old industrial, centralised models of mass media. The new world 
is more diverse and interconnected, a system in which information flows more freely.

Aus dieser Perspektive erscheint es dann nur noch als eine Frage der Zeit, wann das Internet die gewünschte Rolle übernehmen wird. Das Problem ist nur folgendes:

Wiewohl der biologische Diskurs ausdrücklich nur der Anschaulichkeit halber (…) angeführt wird, wird diese Metaphorik suggestiv zum natürlichen Prinzip des Netzes erklärt, indem man ihm die gleichen Gesetzmäßigkeiten zuschreibt, wie es die Biologie für die Natur tut. Diese (…) Ineins-Setzung von Metapher und Realität hilft dann, einen Determinismus (…) zu behaupten. (…) Dieser bio-technische Determinismus, eng verknüpft mit einem zutiefst amerikanischen darwinistischen Fortschrittglauben, ist ein (…) Element der kalifornischen Netz-Utopie”,

schrieben Wissenschaftler der Ruhr-Uni Bochum bereits vor mehr als 10 Jahren in ähnlichen Zusammenhängen zum Thema “Utopien der Vernetzung“. Eine Beschreibung des Internets “mit ökologischen und organischen Modellen” werde dazu führen, dass das Netz auch “als ökologischer Organismus” verstanden werde. Dass eine andere Sichtweise ganz andere Schlüsse hervorbringen würde, werde so aber übersehen, heißt es an dieser Stelle.

Die kalifornische Netz-Utopie wurde übrigens von Richard Barbrook und Andy Cameron 1995 in einem Essay “Californian Ideology” genannt und als kuriose genuin kalifornische Hybridkultur beschrieben, die Technikaffinität, Marktgläubigkeit und Hippie-Elemente miteinander vereine und - mit einer Portion Hybris - globale Bedeutung beanspruche. Auch ansonsten stellten die Autoren der Ideologie made in California kein gutes Zeugnis aus:

“Implacable in its certainties, the Californian Ideology offers a fatalistic vision of the natural and inevitable triumph of the hi-tech free market - a vision which is blind to racism, poverty and environmental degradation and which has no time to debate alternatives.”

Hallo, Frau von der Leyen!

Eine Möglichkeit, sich einzumischen. Online-Petition: Keine Indizierung und Sperrung von Internetseiten.

Basic-Arbeit

Robert Basic findet, wir haben kaum Standards, um im Internet auf lokaler Ebene vernünftig zu kommunizieren und hat sich deshalb in den Kopf gesetzt, das zu ändern. Buzzriders nennt er sein neues Projekt, mit dem auch die popeligste Gemeinde in die Lage versetzt werden soll, über eine digitale Lokalzeitung zu verfügen, die multimedial aufbereitete Nachrichten aus der Region bringt, Leute vernetzt und sich im Wesentlichen über Kleinanzeigen finanziert.

Dass Basic dieses Konzept mitsamt seines skurrilen Namens nicht wie ein feuchter Waschlappen um die Ohren gehauen wird, liegt wohl einzig und allein an ihm selbst bzw. seinem Image (hier einige (durchaus wohlwollende) Reaktionen).

Buzzriders oder vielmehr die Idee, die dahinter steckt, ist nicht neu, wie Basic freimütig einräumt. Mit meinestadt.de oder auch craigslist.org zum Beispiel gibt es bereits ähnliche Konzepte. Zumindest hierzulande ohne durchschlagende Erfolge. Und auch die technologischen Mittel, die er einzusetzen gedenkt, sind für sich genommen, bereits auf dem Markt und damit vorhanden: Buzzriders soll Weblog-, Social Networking- und Twitter-Elemente auf einer Plattform vereinen, um das zu erreichen, womit das ganze Projekt stehen und fallen wird: die Partizipation der Nutzer vor Ort (- die im Idealfalle von einem professionellen Lokalreporter gelenkt und thematisch unterfüttert werden soll). Es kommt laut Basic also auf die Kombi an.

(Basic hat bei mir allein deshalb ein, zwei Bierchen gut, weil er den oft unterschätzten Lokalreporter in die digitale Diskussion geworfen hat. Es wurde andererseits auch schon darauf hingewiesen, dass gute Lokaljournalisten einen anspruchsvollen Job machen. So viele davon gibt es ja nun auch nicht; und wenn man sich die Zahl guter Lokaljournalisten ausmalt, die sich über Kommentare freuen, dürfte die Zahl erheblich kleiner werden.)

Die Präsentation zu buzzriders, die er auf dem Webmontag in Hannover hielt, hat zwar keine gute Qualität, bietet aber eine gute Zusammenfassung des Konzeptes:

httpv://www.youtube.com/watch?v=gERnUf_pVIA&feature=related 

Aber das wäre nun wirklich ein Ding, gerade wenn so ein Konzept auch auf der lokalen Ebene funktionierte. Gut, in großstädtischem Ambiente mag man sich aktive Buzzriders-Communities noch ganz gut vorstellen können, aber in Kleinstädten oder gar auf dem platten Land? Wenn dies gelänge, könnte sich Basic mit Fug und Recht ans Revers heften, etwas für den öffentlichen Meinungsaustausch getan zu haben. Gerade in den Kleinstädten und Gemeinden wird die öffentliche Meinung ja häufig von lokalen Zeitungen gemacht, die eine Monopolstellung innehaben.

Buzzriders als Erfolgsgeschichte wäre im übrigen auch ein Argument denen gegenüber, die das Potenzial der digitalen Öffentlichkeit bei weitem nicht so hoch einschätzen, wie den Schaden, den die Verlagshäuser auch infolge des Internets zu beklagen haben. Das wird gerade in den USA immer wieder kontrovers diskutiert, wo zuletzt einige Zeitungen ihre Produktion einstellen mussten.

Journalismus-Professor Dan Gillmor zum Beispiel meint, dass es neben dem Willen der professionellen Schreiber, sich auf einen Dialog mit ihren Lesern einzulassen, umgekehrt genauso auf den Willen der Leser ankommt, mitzumachen und sich einzumischen. Und das ist ja das Problem, das auch Buzzriders beschäftigen dürfte: So viele Internetnutzer, die bereit und in der Lage wären, da für beide Seiten gewinnbringend mitzumachen, gibt es in Deutschland in einigen Regionen vielleicht gar nicht. Folgerichtig hält Gillmor den Aufbau und die Pflege einer aktiven Community für den Schlüssel, um (journalistisch) Erfolg zu haben:

“The critical thing seems to be developing actual community, and that´s incredibly hard. The people who can do that are rare and will be high demanded.”

Irgendwo kommt es dann interessanterweise dann doch wieder auf die einzelnen Persönlichkeiten an, selbst wenn es um Internet und Partizipation geht. Womit wir wieder bei Robert Basic wären. Er hat bereits gezeigt, dass er eine Community aufbauen kann; er hat mit seinem Blog fast 50 Mille verdient. Er hat keine Angst und scheint Humor zu haben. Ich denke, die meisten denken: Wenn, dann der.

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