Monatsarchiv für Dezember 2009

 
 

Dahinten dräut es schon…

…das neue Jahr.

Dabei müsste ich das alte erst einmal sacken lassen. Aber was solls: Guten Rutsch!

Machen wir uns nichts vor IX

Ein nicht ganz unwichtiges Motto für mich im Laufe des ausgehenden Jahres, diese Quintessenz:

it was in the winter of my fiftieth year
when it hit me
I was really alone
and there wasn´t a hell a lot of time left
every laugh and touch I could get
became more important
strangely, I became more bookish
and my home and study meant more to me
as I considered the circumstances of my death
I wanted to find a balance between joy and dignity
on my way out
above all, I didn´t want to take any more shit
not from anybody

Iggy Pop

Schütteleinlage

Von den ganzen irgendwelche Smashhits covernden Muppet-Videos, die derzeit im Umlauf sind, gefällt mir dieses am besten: Miss Piggy singt “Fuck the pain away” von Peaches - und dreht zum Ende hin richtig auf.

httpv://www.youtube.com/watch?v=-aGTNS13SDU&feature=PlayList&p=2D36AEC1A3C8C861&index=1

Der Peijas der Woche: Eric Schmidt

(Oder: “Privacy is a basic human need.”)

Eric Emerson Schmidt, offiziell Chief-Executive-Officer und inoffiziell der Erwachsene vom Dienst bei Google, hat sich während eines Interviews auf CNBC derart ungeschickt und entlarvend geäußert, dass ich mir nicht anders zu helfen weiß, als dies zum Anlass für den Start einer neuen Reihe zu nehmen: der Ausrufung eines Peijas der Woche, die nicht unbedingt alle sieben Tage, aber doch regelmäßig erfolgen soll.

Peijas kommt, wie der oben gesetzte Link anzeigt, aus dem Plattdeutschen und bedeutet so viel wie Hanswurst, Clown, Hampelmann oder Narr. Es könnte ursprünglich aus dem Lateinischen stammen, wofür spricht, dass zum Beispiel im Spanischen “el payaso” für Clown steht. Peijas, so wie ich es im plattdeutschen Sprachgebrauch kennengelernt habe, ist aber auf jeden Fall eher abwertend als lustig gemeint - so viel steht fest.

An dieser Stelle ist die Bedeutung von Peijas ausdrücklich nicht wörtlich für den Charakter des jeweils Genannten zu nehmen, sondern nur für die konkret bezeichnete Äußerung bzw. Aktion, wegen der sich der- oder diejenige in dieser Kategorie wiederfindet.

Eric Schmidt hat sich die Auszeichnung in meinen Augen redlich verdient, indem er in seiner Funktion als Vorstandschef des weltweit größten Datensammlers zum Thema Datenschutz und Privatsphäre (”privacy”) sinngemäß sagte: “Wenn Du etwas tust, das niemand mitbekommen soll, dann lass vielleicht besser sowieso die Finger davon.

Hier der Beleg:

httpv://www.youtube.com/watch?v=A6e7wfDHzew&feature=player_embedded

Das ist erstens ungeschickt, da Google bei aller Kritik, die das Unternehmen aufgrund seiner Größe und Mächtigkeit im Internetbereich auf sich zieht, sich bis zum heutigen Tag die Aura des Spielerischen, bei einigen besonders naiven Zeitgenossen gar die des Altruistischen bewahren konnte. Insofern dürfte diese Äußerung ein Rückschlag für Google sein.

Zweitens ist sie entlarvend, da sie zeigt, dass Google offenbar nicht nur nicht gewillt ist, in irgendeiner Form Verantwortung zu übernehmen für etwaige Spätfolgen seiner Geschäftstätigkeiten. (Nach dem Motto: Könnte durchaus sein, dass unsere Datensucherei Nachteile für unsere Nutzer bringen könnte, aber wir können ja nichts dafür, wenn zum Beispiel irgendwelche Regierungen Schindluder mit diesen Infos treiben würden; Christian Stöcker hat das auf Spon überzeugend kommentiert.) Entlarvend ist die Äußerung aber auch allein deshalb, weil Schmidt sich auf das argumentative Niveau von autoritätsgläubigen Politdilettanten begibt, die angesichts irgendwelcher Einschränkungen der Privatsphäre die Leute damit zu beruhigen versuchen, dass ja niemand etwas zu befürchten habe, sofern man sich gesetzeskonform verhalte.

Kurz: So eine Äußerung ist dem Vorstandschef eines Unternehmens wie Google nicht würdig und schlichtweg nicht akzeptabel.

Und, um Bruce Schneier zu zitieren, ist vor allem folgendes zu diesem Thema zu sagen:

“Privacy is a basic human need. (…) Too many wrongly characterize the debate as “security versus privacy.” The real choice is liberty versus control.”

Tanzeinlage XIV

Nachrichten aus der Berliner Blase: “Retro-cool in Mitte (und Prenzlberg) - was will man mehr?”

httpv://www.youtube.com/watch?v=Hy1bUaXZRIA&feature=player_embedded

Machen wir uns nichts vor VIII

Passt gerade zum Thema (des vorherigen Posts):

Die deutsche Blogsphäre ist viel zu dünn besetzt, als dass sie auch nur ansatzweise etwas ähnliches wie die “Huffington Post” auf die Beine bekommt. Man bräuchte so zwei bis acht bloggende Prantls, dazu noch ca. vier Michael Sprengs als Whistle Blower und noch ein paar weitere gute Journalisten, die in ihren Redaktionen hocken und den Frust mit Rotwein runter spülen. Dann bräuchte man noch jemanden, der eine Millionen Euro in den Ring wirft und sagt: “Mich kotzt der deutsche Journalismus an, macht es mal besser.”

Don Dahlmann

Das Geld und die Internetbestimmer

Sevenload-Gründer Ibrahim Evsan kritisiert, dass hierzulande immer noch Aufklärungsarbeit in Sachen Internet betrieben wird (und werden muss), während in den USA eher - wie immer so schön formuliert wird - zukunftsorientiert darüber nachgedacht wird, was man mit dem Netz und seinen Möglichkeiten so alles anstellen kann.

Ohne dabei in die Standardklage zu verfallen, dass auf der einen Seite des Teiches eher Risiken und auf der anderen Chancen gesehen werden, weist “Ibo” auf einige Tatsachen hin, die es wert sind, ausgesprochen zu werden.

Zum Beispiel: Das Internet ist US-amerikanisch dominiert, und das hat eine Menge mit der lieben Kohle zu tun. So müsse man sich vor Augen halten,

  • dass die Höhe der Venture-Capital-Investitionen in den Internetbereich in Deutschland im Jahr 2008 insgesamt 245 Millionen Euro ausmachte, während allein Facebook im gleichen Zeitraum 200 Millionen Dollar für neue Server, also nur für Hardware, ausgegeben habe.
  • und dass Xing einen Umsatz pro Quartal generiere, auf den Google in einer Stunde komme.
  • Hier ist das komplette Interview:

    Link: Ibrahim Evsan

    Gefunden im Blog von Leander Wattig.

    Groschenromane sind kein gehirnmuskelfreier Raum

    Ist eigentlich jemals untersucht worden, wie sich die dauerhafte Lektüre der “Eva-Schicksals-Romane” auf die Gehirnmuskeln (Disclosure: Das ist Schirrmacher-Sprech) der Lesenden auswirkt? Ich nehme an: Ja und mit dem verheerenden Ergebnis, dass höchstwahrscheinlich nur das vermaledeite Internet höchstpersönlich noch schlimmere Folgen für die Denkstrukturen moderner Menschen haben kann.

    Das zeigt ein Blick in die Untiefen der Groschenromane. Als Beispiel soll hier “Laß mich nicht um Liebe betteln! … denn das Herz betrügt man nicht” dienen - so lautet ein Titel von Gerda Degen, erschienen 1962 beim Wolfgang Marken Verlag.

    Der Inhalt ist - wie das Titelbild unschwer erraten lässt - nichts für schwache Nerven:

    “Bevor Sandra auf den Rücksitz glitt, winkte sie zu dem Mann im dunklen Torbogen zurück, mit einer leichten, zärtlichen Geste, die zu einer Kußhand wurde. Dann zog sie die Tür zu und nannte dem Taxifahrer ihr Ziel. Sehnsucht und Unsicherheit waren in diesem Gefühl, etwas Banges und Erwartungsvolles. Hoffentlich ist mein Mann nicht schon heute von Kopenhagen zurückgekommen, dachte sie, während der Wagen durch die nächtlichen, noch immer sehr belebten Straßen fuhr.”

    Ehebruch, versuchter Suizid, Betrug, willentlich herbeigeführte Flugzeugabstürze, Männer, Frauen, Sex und hohe Berge - das kann einen Muskel schnell übersäuern: Da müssen wir uns aber auch gar nichts vormachen.

    Tanzeinlage XIII

    Wikipedia bezeichnet Swing als Stilrichtung des Jazz, die “ihre große Popularität aus ihrer Tanzbarkeit und ihrem vollen Klang ableitete.” Das kann man so sagen, wie im Video, das Barney Kessel zusammen mit weiteren grandiosen Musikern (und Tänzern) in Aktion zeigt, eindrucksvoll demonstriert wird.

    httpv://www.youtube.com/watch?v=g_WyhK-Urms

    Quelle: swinginglance.

    blogoscoop