Auf der Straße
Es stimmt schon: Internet und soziale Netzwerke sind den Demonstranten in Ägypten eine wichtige Kommunikationshilfe. Kaum ein Hintergrundbericht der Presse und auch nicht die jüngste Rede des US-Präsidenten kommt ohne einen solchen Hinweis aus. Und die Machthaber in Kairo haben das Internet (und die Mobiltelefone) sicherlich auch nicht abgeschaltet, um Strom zu sparen.
Die Proteste zeigen aber vor allem, dass die Menschen auf die Straße gehen und etwas riskieren müssen, wenn sie etwas erreichen wollen - im Zweifel sogar ihr Leben. Insofern ist es auch eine Frage des Anstands, wie man einerseits den menschlichen und andererseits den technologischen Anteil an den Protestbewegungen bewertet bzw. ob man beide gegeneinander ausspielt.
In den kommenden Tagen und Wochen dürften wir jedenfalls wieder häufiger hören, wie unfassbar performativ das Internet doch ist (so wie Medientheoretiker Peter Weibel neulich in der taz in anderem Zusammenhang (Stuttgart 21 und Wutbürgertum) gesagt hat).
Performativ meint vereinfachend gesagt, dass es nicht auf die Äußerung, sondern auf den eigentlichen Vollzug einer Handlung ankommt. Dass man tut, was man sagt. Wie kann also jemand auf den Gedanken kommen, dass “das Internet” an sich “performativ” sein könnte? It´s the human being, stupid ist deshalb so ein Satz, den sich Social-Media-Enthusiasten wie Jeff Jarvis von mir aus gerne hinter die Ohren schreiben dürfen.
(Oh, gerade sehe ich, dass Robin Meyer-Lucht auch zu diesem Thema etwas gepostet hat und klaue mir von ihm den Hinweis auf das Zitat von Mathew Ingram:)
In the end, the real weapon is the power of networked communication itself. In previous revolutions it was the fax, or the pamphlet, or the cellphone — now it is SMS and Twitter and Facebook. Obviously none of these things cause revolutions, but to ignore or downplay their growing importance is also a mistake.
