Die re:publica wird es auch im kommenden Jahr in Berlin geben, allerdings an einem anderen Ort. Johnny Haeusler hat angekündigt, dass das Organisationsteam der “Bloggermesse” das größte Problem ihrer selbst aus dem Weg räumen will: ein Besucherwachstum, das die räumlichen Kapazitäten von Friedrichsstadtpalast, Quatsch Comedy Club und Kalkscheune ziemlich strapazierte und ab und zu auch sprengte. 3000 Leute sollen da gewesen sein; dafür, dass es im Jahr zuvor 2700 waren, kommt mir diese Zahl sogar untertrieben vor.
Vom Raumstress abgesehen war die re:publica mehr oder weniger dufte wie immer und wenn es sie nicht schon gäbe, müsste man sie erfinden und genau so einen Spagat zwischen Nerdtum, Business und soziokultureller Realität aka Alltag wagen. Björn hat das auf seinem Philoblog geschrieben, und ich gebe ihm darin nicht nur Recht, weil wir so eine nette Begegnung hatten. (Das Philoblog ist ein hübscher Name für ein Blog. Wollen andere bestimmt auch haben.)
Wenn ich mir allerdings vorstelle, dass beim nächsten Mal 5000 Besucher oder sogar mehr kommen könnten, dürfen die Veranstalter von mir aus gerne auch inhaltlich stärker lenken, nicht nur infrastrukturell.

Björn zum Beispiel pickte sich die Diskussion um friends und follower bei facebook und twitter (und was das alles für soziale Kontakte und gesellschaftliche Entwicklung bedeutet) als Aufhänger heraus und sprach einfach mal eine dreiviertel Stunde über Freundschaftskonzepte aus der Philosophie: Aristoteles, Cicero, Schopenhauer, Simmel, Lobo (ach ne, der wurde nur zitiert). Motto: Man muss ja nicht immer das Rad neu erfinden, nur weil Social Media draufsteht.
Gerade diese kleinen Veranstaltungen, in denen man sich überraschen lassen kann, die Referenten nichts unmittelbar verkaufen wollen und die gerade deshalb manchmal richtig Atmo haben, sind für mich die eigentlichen Perlen, die die re:publica so ungewöhnlich machen.
Es wäre schade, wenn das verloren ginge.
Apropos Inhalte setzen, ein gezielter interdisziplinärer Ansatz wäre zum Beispiel interessant: Was hat die Disziplin XY zum Internet zu sagen. Müssen ja nicht gleich wieder 33 Neurowissenschaftler sein; es gibt ja auch Historiker, Geographen, Linguisten, Physiker, was weiß ich.
Mit Wissenschaftlern hat die re:publica ja ohnehin gute Erfahrungen gemacht: Im vergangenen Jahr war Peter Kruse der Star mit seinem Digital Residents vs. Digital Visitors. Für die #rp11 dürfte diese Rolle Gunter Dueck übernehmen, der im Friedrichsstadtpalast sowohl vom Stil als auch vom Inhaltlichen her einen bemerkenswerten Vortrag über das Internet als gesellschaftliches Betriebssystem hielt - verbunden mit einem Appell an die Netzgemeinde, sich nicht ins Wolkenkuckucksheim zu begeben, sondern sich zu engagieren.
Am bemerkenswertesten daran fand ich übrigens, dass Dueck im Grunde vor allem über Wissen sprach. Und darüber, dass das ja früher oder später komplett im Netz ist und deswegen die Berufe verschwinden und es ja dann auf Wissen gar nicht mehr so ankommt, sondern auf andere Dinge. (Es ist selten, dass jemand mit diesen Themen ein großes Publikum gut unterhalten kann, ohne große inhaltliche Abstriche zu machen, finde ich.)
httpv://www.youtube.com/watch?v=MS9554ZoGu8