Monatsarchiv für Juli 2011

 
 

Sommerlektüre

Meine erste ernstzunehmende Sommerlektüre in diesem Jahr ist John Steinbecks Jenseits von Eden gewesen. Angesichts der 702 eng bedruckten, mit Buchstaben für Adleraugen gefüllten Seiten lag meine Chance, diesen Schinken zu bewältigen, statistisch gesehen wohl eher im niedrigen zweistelligen Prozentbereich. (Der intellektuelle Netzskeptiker Nicholas Carr hält ja vom Umfang her Vergleichbares (Krieg und Frieden/Tolstoi) für nicht wirklich mehr lesbar; aus kognitionsphysiologischen Gründen: wegen des Internets, vor allem aber wegen google.)

Aber denkste. Hat doch geklappt mit dem Durchlesen. Und da ich meinen Urlaub noch in den Knochen und auch im Kopf spüre, würde ich derzeit sogar behaupten, dass gar nicht so sehr die schrumpfenden Aufmerksamkeitsspannen der eigentliche Grund sind, warum packende und inspirierende Texte allein wegen ihrer Mächtigkeit nicht mehr gelesen werden, sondern tatsächlich etwas Übergeordnetes, etwas Größeres: die Zeit. Schlichtweg fehlende Zeit. Gar nicht einmal die Zeit, solche Texte zu lesen, sondern vor allem die Zeit, die es braucht, um in der inneren Verfassung zu sein, sich auf sie einzulassen. (Die Zeit ist ebenso groß wie der Hinweis auf sie banal erscheint - aber trotzdem.)

Der Schriftsteller Moritz Rinke hat in der vorletzten Ausgabe der Zeitschrift Die Zeit einen schnellen (und langen) Text veröffentlicht, der die viel diskutierte “Tyrannei des Augenblicks” angesichts der fortgeschrittenen Modularisierung der Zeit beschreibt, die in immer kleinere, einzeln betrachtet verdaulichere Sequenzen geteilt wird. Sehr anschaulich, sehr plastisch. Und ein bisschen unheimlich, da Rinke darüber spricht, wie diese Industrialisierung der Zeit schon lange nicht mehr allein auf eine klar definierte Tätigkeit im wirtschaftlichen Leben ausstrahlt, sondern auf das Leben in allen Bereichen - ob das zum Beispiel, wie Linke schreibt, in der Politik (Merkels SMS-Politik) oder im Privatleben (Internet/Soziale Netzwerke) oder noch ganz woanders der Fall ist.

Das Dumme ist nur: Wenn der Mensch die Zeit zerlegt, dann tut sie dasselbe auch mit ihm. Und wenn sie das in allen Lebensbereichen vollstreckt, in denen auch sie vollstreckt wurde, dann Hallelujah. Und deshalb darf man ruhig ab und zu daran erinnern, dass die Echtzeit total überschätzt und der Augenblick vom leicht verdaulichen Häppchen schnell zum tyrannischen Schweinebratenhund morphen kann.

Ein Augenblick reicht zwar, um alles zu verändern. Aber was sich verändert und vor allem WANN diese Veränderung dann so richtig durchschlägt, ist eine ganz andere Frage. Die Übersetzerin Svetlana Geier hat das einmal in einem Interview auf den Punkt gebracht, anhand Dostojewski (Schuld und Sühne): Gewalt ist plötzlich, Leben geht allmählich. Man könnte also sagen: Die Zeit holt einen immer wieder ein. Die Zeit vergisst nicht, und sie vergisst auch dann nicht, wenn man selbst vergessen hat - ein Augenblick reicht also, um alles zu verändern; um zu verstehen, reicht er aber nicht.

Tanzeinlage XLIV

Alex Marco: The Bike (via Nouvelle Danse).

Economies of small vs. Economies of scale

I think we embraced scale as a goal when the economies of that scale were so obvious that we didn’t even need to mention them. Now that it’s so much easier to produce a product in the small and market a product in the small, and now that it’s so beneficial to offer a service to just a few, with focus and attention, perhaps we need to rethink the very goal of scale.

Don’t be small because you can’t figure out how to get big. Consider being small because it might be better.

Geht auch ohne großes Klimmbimm: ein Bekenntnis zum “individualisierten Wirtschaften”. In diesem Falle von Seth Godin.

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