Monatsarchiv für Dezember 2011

 
 

Zwotausendelf

Wäre der Dezember nicht gewesen, hätte 2011 ein richtig gutes Jahr werden können.
Tja.

Tanzeinlage XLIX

Coole Sau.

(via Roxana Schack)

Lernen, unter Wasser zu atmen

Was dem Unternehmen heute sein Key-Account-Manager, das ist der Gesellschaft morgen ihre Empathie-Schnittstelle: Es ist in der Struktur von Organisationen oft nicht angelegt, dass sich Menschen auf der menschlichen statt auf der funktionalen Ebene begegnen, zumindest nicht ohne Machtgefälle. Das “ist das Schicksal in der Kommunikation mit Organisationen“. Also müssen sie außer der Reihe Menschen beauftragen, um die Reibungsverluste auszugleichen, die aufgrund ihrer apparatischen Strukturen anfallen.

Wenn zB die Piratenpartei in einigen Jahren die Bundeskanzlerin stellte und im ganzen Land den ticketlosen ÖPNV einführte, gäbe es keine Kontrolleure mehr. Das wäre natürlich erst einmal ganz sympathisch, weil Kontrolleure in der Regel furchtbar unsympathisch sind (was nicht zwangsläufig an ihrem Charakter liegen muss, aber dennoch). Andererseits wäre mit einem kontrolettilosen ÖPNV aber eine Entwicklung vorangetrieben worden, die damit anfing, die Amtsperson als fleischgewordenen Verantwortungsträger aus dem (in diesem Fall) öffentlichen Raum zu verdrängen und durch Automaten und Überwachungskameras zu ersetzen - was wiederum Probleme mit sich brachte, die eigentlich nur durch solche Menschen behoben werden könnten, die in den vergangenen Jahrzehnten systematisch ersetzt worden sind.

Empathie-Schnittstellen können bis auf weiteres nur Menschen sein; ebenso sind mir noch keine Key-Account-Managermaschinen begegnet. Und genau an diesem Punkt haben die Welt der bürokratischen Organisationsapparate und der digitalen (IT- oder Kommunikations-)Umgebungen etwas gemeinsam.

Diese Gemeinsamkeit beruht weniger auf der Frage, ob sich nun Menschen mit Menschen, Menschen mit Maschinen oder Maschinen mit Maschinen auseinandersetzen müssen - letztendlich kann man immer zu dem Schluss kommen, dass am Ende der Wurst dann doch zumindest irgendwie und mittelbar ein Mensch sitzt. Wenn Menschen aber apparatisch handeln, ist es es für den Verlauf der Kommunikation unerheblich, ob es sich dabei tatsächlich um einen Menschen oder doch schon um eine Maschine handelt.

Insofern ist der Kniff, das allgemein zunehmende Kommunikationsaufkommen via Internet als verantwortlich für die “Renaissance von Offline-Aktivitäten” zu erklären, ein ziemlich cleverer: Einfach die Perspektive um 180 Grad verschieben und mit einem schicken Buzzword versehen (”Der Wert des “In-Person-Socializings” steigt mit seiner Verknappung”). Und schon ist der Bock zum Gärtner gemacht, ohne dass er die Sprösslinge vertilgt.

Es wird uns in Zukunft bestimmt häufig gesagt werden, dass wir lernen müssen, unter Wasser zu atmen - obwohl wir doch eigentlich Kiemen haben.

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