Monatsarchiv für August 2013

 
 

Wer hart genug arbeitet, kann es schaffen, wtf?

Es sind die Ideen, nicht die Interessengruppen, die in jeder Hinsicht so gefährlich sind: Ich bin mir absolut sicher, dass die Macht der Interessengruppen im Gegensatz zur graduellen Ideeninfiltration stark übertrieben wird. (Zitat: John Maynard Keynes.)

Ist es nicht eher folgerichtig als verwunderlich, wenn die Werteorientierungen der europäischen Jugendlichen denen der neuen globalen Elite ähneln, die in den vergangenen Jahrzehnten mit der Hilfe der Informationstechnologien und der Wirtschaftsglobalisierung zu sagenhaftem Reichtum gekommen ist?

Wer hart genug arbeitet, kann es schaffen - und wer es geschafft hat, muss sich um den Rest nicht groß scheren, da dieser es ja auch hätte schaffen können, wenn er nur hart genug gearbeitet hätte: Ich glaube, auf die Monstrosität dieses “Arguments” muss ich nicht wirklich noch einmal hinweisen.

Staatsverdrossenheit, Institutionenfeindlichkeit und Ichismus sind die Dreifaltigkeit des Mittelstandes und das Gift, das ihm die Mächtigen gaben - das ist ebenso bekannt wie nach wie vor unfassbar wirkmächtig:

Die Einklagung des Rechts auf “persönliche Meinung” und der Argwohn gegenüber jeder Form der Delegation sind, zumal auf politischer Ebene, dem System von Dispositionen jener Individuen logisch eingeschrieben, deren gesamte Vergangenheit und Lebensentwurf auf der Hoffnung individuellen Heils gründet, auf persönlichen “Gaben” und “Verdiensten”, auf dem Bruch mit belastender Solidarität, ja der Aufkündigung als hinderlich empfundener Rücksichten. (…) Freilich haben die naiv “egoistischen” Regungen und Einstellungen der Kleinbürger nicht das Geringste mit der subtilen Selbstsucht derer gemein, die in allem die Einzigartigkeit ihrer Person zum Ausdruck bringen können. (Zitat: Pierre Bourdieu.)

Tanzeinlage LXI

Mehr Sommernächte!

Machen wir uns nichts vor XLVI

Biopolitik und Kontrollgesellschaft: Foucault und Deleuze hatten Recht.

Mit Biopolitik versuchte man seit dem 18. Jahrhundert die Probleme zu rationalisieren, die der Regierungspraxis durch die Phänomene gestellt wurden, die eine Gesamtheit von als Population konstituierten Lebewesen charakterisieren: Gesundheit, Geburtenziffer, Hygiene, Lebensdauer, Rassen … (…) Man kann diese Probleme nicht vom Rahmen politischer Rationalität trennen, innerhalb dessen sie aufgetreten sind und ihre Zuspitzung erfuhren. Insbesondere nicht vom “Liberalismus”, denn durch die Beziehung zu ihm haben sie eine Herausforderung angenommen. Der Liberalismus ist als Prinzip und Methode der Rationalisierung der Regierungsausübung zu analysieren - einer Rationalisierung, die der internen Regel der maximaler Ökonomie gehorcht. Während jede Rationalisierung der Regierungsausübung darauf gerichtet ist, ihre Wirkungen zu maximieren, geht die liberale Rationalisierung vom Postulat aus, dass die Regierung keine eigene Existenzberechtigung in sich trägt.

Michel Foucault (komprimiertes, leicht bearbeitetes Zitat aus: Die Geburt der Biopolitik (1978/79))

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