Mehr Abwicklung als Neustart bei Galore

Es ist wirklich ein Jammer: Die Interviewzeitschrift Galore wird eingestampft. Es wird sie einmal noch zur 50. Ausgabe als bedrucktes Papier geben und danach vollständig ins Internet verlegt werden. Ob es ihr im Netz aber besser ergeht, ist zu bezweifeln.

Schließlich wird dann die Galore eine ganz andere sein, jedenfalls keine, die zum längeren Verweilen im Wohnzimmersessel einlädt, wie es bislang der Fall war. Es soll vielmehr zukünftig jeweils werktags ein Interview erscheinen.

Die Zeitschrift lebt von ihren in der Regel gut recherchierten, ausführlichen Interviews. So etwas wollen viele Leute auf dem Bildschirm vielleicht aber gar nicht lesen; und so unglaublich viele passionierte Internetausdrucker surfen ja auch nicht durch die Gegend.

Galore ist relativ jung und wurde 2003 erstmals gedruckt. Sie brachte seitdem in verschiedenen Längen und Zeittakten (nicht nur, aber vor allem) Interviews, die vornehmlich in der Popkultur beheimatet waren; Musik, Kunst, Gesellschaft, Politik, Schicksale: das ganze Programm eigentlich. Nur ausführlicher als normal und als reines Interviewmagazin in Deutschland das einzige seiner Art. Nun wurde also gemeldet, dass die Galore demnächst nur noch online zu haben ist und das mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten in einem schrumpfenden Marktumfeld begründet. Das Übliche also.

Wenn man jetzt gutmütig ist und keinen kommenden Tod auf Raten verkünden möchte, könnte man ja überlegen, ob Galore in der Lage sein wird, seinen Leserstamm auf die Online-Nummer einzuschwören. Dieser gilt ja als sehr wichtiges Kapital der Zeitungen und Zeitschriften, um die Auswirkungen der “Online-Revolution” überstehen zu können. Indem zum Beispiel im Netz aktive Nutzerbindung stattfindet, die so schnell so viel Austausch auf Augenhöhe ermöglicht.

Aber in dieser Hinsicht ist Galore richtig schlecht aufgestellt. Es wurde immer mal wieder eine gründliche Überarbeitung des Internetauftritts angekündigt. Bis auf einige Leseproben aus alten Heften gab es da nie viel zu lesen. Und das war es dann auch schon. Es gibt also einen (kleinen) Leserstamm (Auflage: 20000 im im ersten Quartal 2009 nach 86000 ein Jahr zuvor), aber es gibt keine Online-Community. Nicht die besten Voraussetzungen für einen erfolgreichen Start ins Internet-Zeitalter.


 
 
 

2 Kommentare zu “Mehr Abwicklung als Neustart bei Galore”

  1. Matthias Schwenk
    15. Mai 2009 um 12:16

    Schaut man sich aktuell den Webauftritt von Galore an, darf man für die Weiterführung des Projektes durchaus skeptisch sein. Denn viel ist da nicht, die Seiten sind erkennbar nur ein Begleitmedium zum gedruckten Heft.

  2. Thorstena » Galore letztmalig am Kiosk
    16. Juni 2009 um 21:52

    [...] habe ja Mitte Mai schon einmal geschrieben, dass Galore in meinen Augen nicht die besten Voraussetzungen hat, um im Internet zu überleben. [...]

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