Ein wenig Balsam auf die Wunden

Da konnte man mal sehen, zu was Twitter imstande ist: Sascha Lobo (und andere, aber Lobo ist ja nun einmal der Twitter-Prinz…) wies auf einen Artikel in Spiegel Online hin, in dem Autor Christian Stöcker wohltuend ausgewogen über die Zensursula-Debatte und ihre Bedeutung schrieb - und schon konnte sich der gute cisstock über eine erkleckliche Anzahl neuer Follower freuen. Und Spiegel Online über Klicks. Und die “Generation C 64″ über einen Artikel zum Thema, der ausnahmsweise mal nicht vor Vorurteilen und Ressentiments strotzte.  Das ist ein wenig Balsam auf die Wunden, die ihr die Soboczynskis und Welfings  in dieser Kontroverse zugefügt haben.

(Marcel Weiß hat die erlittenen Verletzungen in einem guten Artikel zur “unerträglichen Seichtigkeit des deutschen Internets” zusammen gefasst; einige kritische Kommentare haben das Bild abgerundet und so einen noch besseren Text daraus gemacht - ja, das ist tatsächlich möglich.)

Dabei hat Stöcker auf SpOn eigentlich nur das aufgeschrieben, was eigentlich offensichtlich sein sollte: dass die Unterzeichner der Petition gegen die Änderung des Telemediengesetzes nicht für Kinderpornographie im Internet sind; dass der Widerstand, das Bundeskriminalamt in seiner zugedachten Rolle als Zensor zu akzeptieren, für das demokratische Bewusstsein der Unterzeichner spricht; dass es hier keineswegs um “Cyber-Anarchie”, sondern um “Freiheit, Bürgerrechte, Gewaltenteilung” geht.

Möglicherweise ist genau das - der stetige Verweis auf das demokratische Potenzial des Internets, möglichst mit konkreten Belegen - das Beste, was man machen kann. Aber so eine Diskussion lässt sich ja nicht beliebig herbeiwünschen, zumal da auch die andere Seite mitspielen müsste.

Wahrscheinlicher ist dann doch Schwarz-Weiß-Malerei. Ich freue mich schon auf CSU, sofern der US-amerikanische Disput über den Atlantik schwappen sollte, den neulich Kevin Kelly in Wired angestoßen hat. Kelly ruft da forsch bis ahnungslos einen “Neuen Sozialismus” aus, der aus der “globalen kollektivistischen Online-Gesellschaft” entstehe. (Lawrence Lessig vertritt den entgegen gesetzten Standpunkt.) Das wäre doch was für Dr. Markus Söder


 
 
 

Ein Kommentar zu “Ein wenig Balsam auf die Wunden”

  1. Internetsperren 02.06.2009: Artikel und Kommentare « Wir sind das Volk
    3. Juni 2009 um 03:18

    [...] Thorstena: Ein wenig Balsam auf die Wunden [...]

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