Think local, act global

Warum lokale Berichterstattung plötzlich Thema ist

Über Lokaljournalismus wird normalerweise nicht groß geredet, geschweige denn geschrieben. Lokaljournalismus - ist einfach da. Christian Jakubetz hat nun auf seinem Blog eine Ausnahme gemacht und einen langen Riemen zum Thema Zustand und Zukunft des Lokaljournalismus gepostet. Zusammen mit den Kommentaren zum Artkel ist das einer der interessantesten Texte zum Thema, die ich dazu jemals gelesen habe.

Das liegt unter anderem daran, dass das Stück “Wir waren Heimat” einerseits tiefe Einblicke in die Welt des Ressorts Lokales gewährt, andererseits aber über sich selbst hinausweist. Denn Jakubetz geht es im Grunde um die Zukunft, wie er ganz zuletzt noch einmal in aller Deutlichkeit schreibt:

“Noch freilich gibt es für Verlage und Sender wenig Gründe umzudenken. Noch lesen die Menschen notgedrungen die Lokalblätter, weil es wenig Alternativen gibt. (…) Aber was machen die eigentlich alle, wenn irgendjemand mal begreift, dass man auch im Lokalen mit digitalen, umfangreichen, schnellen, nutzerfreundlichen und vor allem deutlich kostengünstigeren Medien Inhalte für alle produzieren kann? Die Struktur des heutigen Lokaljournalismus trägt keine zehn Jahre mehr. Irgendwann kommen solche, die es verstanden haben. Die jetzigen Verlage und Sender dürften dann allerdings Auslaufmodelle sein.”

Und wenn ich das richtig verstanden habe, geht es Jakubetz nicht “nur” um die Zukunft des Lokaljournalismus, sondern auch und vielleicht sogar vor allem um die Zukunft des Journalismus ganz generell. Schließlich könnte man das obige Zitat auch ganz gut auf Verlagshäuser und Sender münzen, die nicht lokal, sondern regional, national, international, global berichten. Tun ja nicht alle so fortschrittlich wie etwa Reuters.

Folgerichtig fragt auch Jörg Wittkewitz in den Kommentaren zum Wir-waren-Heimat-Post beim Autor nach, woher er denn “eigentlich die Chuzpe” nehme, so nur den Lokaljournalismus zu beschreiben und nicht alle anderen Formen des Journalismus auch.

Und das ist, glaube ich, tatsächlich der Punkt: Hier geht es nicht darum, Lokaljournalismus schlecht zu reden, wie zum Beispiel Kommentator Ulli Tückmantel offenbar meint und prompt zum Gegenschlag ausholt:

“Man kann Ihrem Text vieles vorwerfen, aber nicht, dass Sie sich nicht alle erdenkliche Mühe gäben, von keinem Lokaljournalisten ernst genommen zu werden. Sie waren selbst mal bei N24 und – sorry – entblöden sich nicht, die ‘Unart der ‘verkauften’ Beiträge’ im Lokaljournalismus zu verorten?”

Es geht vielmehr darum, dass man den neu-alten Glauben an die Nische, in die die Medienhäuser sich zurückziehen sollten, um auch zu Internetzeiten gedeihen zu können, auf Lokaljournalismus einfach besser projizieren kann als auf Reise- oder Wirtschaftsjournalismus, obwohl die beiden letztgenannten sicher eher mehr als weniger Dreck am Stecken haben. Im Lokaljournalismus ist einfach klar, wer die Community ist bzw. sein sollte, die viel beschworene. Von daher liegt es nahe, ihn als Modellfall für den Nischenjournalismus der Zukunft (dann natürlich auf ganz anderen Ebenen) anzuführen - nach dem Motto think local, act global.

Das schwingt jedenfalls mit bei den Statusreports zum Zustand und Zukunft des Lokaljournalismus, die plötzlich zum Thema geworden sind (siehe Carta, Forbes, die Zusammenstellung lokaler Blogs von Hugo E. Martin oder der buzzridernde Robert Basic, dessen unstrukturierte und nebulöse Antworten neulich im Interview mit Peter Löwenstein mich allerdings eher abgeschreckt als überzeugt haben).


 
 
 

Ein Kommentar zu “Think local, act global”

  1. Thorstena » Der Bürger als fleischgewordener DPA-Ticker
    11. August 2009 um 12:38

    [...] Basic zu seinem Buzzriders-Konzept befragt. Das passt ja, nachdem ich im vorherigen Post kurz meine Zweifel dazu angedeutet habe. In diesem Fall kommt Basic aber keineswegs unstrukturiert rüber, sondern [...]

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