Machen wir uns nichts vor XXXIII

Journalistische Redaktionen haben die Welt niemals gefiltert, sondern konstruiert. Die (Motiv-)Unterstellung, die darin besteht anzunehmen, dass es hinter der journalistisch gefilterten Welt, wie sie in den Zeitungen steht, eine gesellschaftlich folgenreiche wirkliche Welt gibt, entfällt. Streng genommen liest man Zeitung nicht um sich zu informieren, was in der Welt passiert. Man liest Zeitung um sich darüber zu informieren, worüber andere sich informieren, wenn sie in der Zeitung lesen, was in der Welt passiert. Und diese Funktion wird durch das Internet nicht ersetzt.

Stefan Schulz kritisiert einen Vortrag Martin Oettings und damit eines der beliebtesten Argumente der pessimistischen Verlags-Auguren: dass der Verlust des Monopols für Filterfunktionen, um gesellschaftlich relevante bzw. gewollte Informationen zu erlangen, Zeitungen in der hergebrachten Form letztendlich überflüssig mache.

(Überhaupt habe ich den Eindruck, dass in den Netzdebatten der vergangenen Wochen die Stimmen aus der soziokybernetischen Ecke deutlicher zu hören waren als zuvor. Wäre super, wenn das stimmt und insgesamt ein wenig mehr inhaltliche Substanz in die Blogosphäre fließen würde; mir hängt #postprivacy jedenfalls in der Ist-Form langsam auch zum Hals raus.)


 
 
 

5 Kommentare zu “Machen wir uns nichts vor XXXIII”

  1. BenZol
    7. Juni 2011 um 12:09

    WTF!?! “Überhaupt habe ich den Eindruck, dass [..]“, Ich hätte nie gedacht, mal solche Sätze von Dir zu lesen, Paulus.

  2. Thorstena
    7. Juni 2011 um 12:12

    Hä? Steh aufm Schlauch, was meinst Du?

  3. Thorstena » Boulevard VI
    7. Juni 2011 um 23:10

    [...] just auch an diesem Punkt und hält Oetting eine arg verkürzte Sicht auf die digitalen Dinge vor: Journalistische Redaktionen haben die Welt niemals gefiltert, sondern konstruiert, schreibt Schulz und mag im Gegensatz zu Oetting nicht daran glauben, dass wir es beim Internet mit [...]

  4. BenZol
    8. Juni 2011 um 11:19

    Ich hatte Dich immer für einen Skeptiker der Soziokybernetik gehalten. Deswegen.

  5. Thorstena
    8. Juni 2011 um 11:22

    Muss daran liegen, dass ich in letzter Zeit immer mal wieder einen Blick in Luhmanns Soziale Systeme werfe. Bzw.: Meine Bio-Metapher-Aversion ist abgeklungen ;-)

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