Robotmania

Kinder sind Robotern gegenüber generell aufgeschlossen bis enthusiastisch eingestellt. So lange Roboter keine ruckartigen Bewegungen oder merkwürdigen Geräusche machen, üben sie nach meiner Beobachtung so ab dem dritten Lebensjahr eine gewaltige Faszination aus - übrigens auf Jungen und auf Mädchen.

Das liegt natürlich daran, dass Kinder auf Sachen abfahren, die berechenbar sind. Und für Kinder tun Roboter normalerweise genau das, was man von ihnen erwartet. In einer Welt, in der es täglich mehr Neues als Bekanntes zu entdecken gilt, ist das ein unschätzbarer Hort an Stabilität. Nur die Verlässlichkeit eines Kuscheltieres ist höher einzuschätzen.

Eine Studie der Knowledge-Agentur Latitude mit dem Lego-Learning-Centre und Ideen-Consultant Projekt Synthesis zeigt zum Beispiel, dass Schulkinder den Gedanken ziemlich anregend finden, einen Roboter (robot teacher) als Lehrer zu haben. 350 Kinder (kid innovators) aus sieben Ländern partizipierten an dieser Untersuchung, und ihre Erwartungen an den idealen Roboter-Pädagogen sind ebenso hoch wie selbstverständlich. Er sollte halt einfach perfekt sein:

The robot teacher would have all the time and patience to explain a problem and concept over and over again until the kid got it. But there won’t be any harsh judgement or shame involved like in a “normal” classroom setting. The robot teacher/tutor would be supportive and understanding.

Das “Ergebnis” dieser Studie ist natürlich ein wenig albern, weil die Kinder ja nicht von ihren Erfahrungen mit echten Robotern erzählt haben, sondern von ihrer Vorstellung, wie es sein sollte, wenn sie mit einem robot teacher zu tun hätten. Es handelt sich um ein Wunschbild, dass die Kinder wahrscheinlich analog zu ihrem Bild eines perfekten Erwachsenen gebildet haben, das wunderbar in die Marketing-Strategie der Studienmacher passen dürfte.

Den Robotern dürfte das herzlich egal sein. Der Umgang mit Menschen ist aus der maschinellen Perspektive heraus eher eine kommende Nischenkommunikation: Cisco geht zum Beispiel davon aus, dass in den nächsten Jahren gerade der Datenaustausch von Maschine zu Maschine (M2M) für wachsenden Internet-Traffic sorgen wird.

Robot-Org, die globale non-profit Interessenvertretung für non-intelligente und quasi-intelligente Maschinen, begründet diesen Paradigmenwechsel mit der höheren Effizienz rein maschineller Informations-Austauschsysteme: Im Gegensatz zu Mensch-Maschine-Verbindungen oder gar rein menschlichen Beziehungen muss die Sachdimension nicht durch die Sozialdimension entlastet werden.

Die alte Frage, warum die Menschen ihre kommunikativen Mittel, die sie an der Hand haben, nur völlig unzureichend ausschöpfen, wird also einfach outgesourct und ist bald kein zentrales Problem mehr.

tl;dr: was mein robot teacher sagt.


 
 
 

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