Links (15.04.2012)

Ich werde versuchen, hier ab sofort wöchentlich bis regelmäßig auf mir interessant oder lesens- bzw. anschauenswert erscheinende Sachen aus dem Internet zu verweisen.

Johnny Haeusler hat einen guten Text zum Thema Urheberrecht geschrieben und liefert auch gleich den Grund dafür mit, warum das eine echte Leistung ist:

Es ist offenbar nicht mehr möglich, PRO Urheberrecht zu sein (was ich bin), ohne sich mit Artikeln gemein zu machen, die entweder pure Propaganda oder Panikmache vor einer Partei sind. Oder beides.

Sieht ganz nach Kulturkampf aus; und die Piraten stecken mittendrin - der ideologische Kern der Piratenpartei, “dieses irritierend schmerzfreie Bekenntnis zur Postideologie” mit eingebauter Relativismus-Gefahr, dürfte das eigentliche Ziel (erfolgter und kommender) Attacken sein, wie Harald Staun in der FAZ vermutet. Indes willigt Marina Weisband in unkonventionelle Interviewmethoden ein und gestattet Stefan Schulz, mit ihr ein ortloses Gespräch zu führen.

Komischerweise keinen Kulturkampf fürchten müssen US-Unternehmen wie google, apple, facebook oder amazon: Rudolf Novotny hat in der Berliner Zeitung eine lange Reportage veröffentlichen dürfen, in der es um Deutschlands einstigen Top-Amazon-Literaturkritiker und um das Interesse des Unternehmens geht, im Rahmen seiner Absatzoptimierungs-Politik vor allem positive Kritiken von seinen Nutzern zu bekommen. (Ich weiß grad nicht, was unsympathischer rüberkommt, die Nebenkerzen-Stellungnahmen Amazons oder die ignorante Beton-Haltung der Literaturkritikerin Sigrid Löffler.)

Das gute Leben à la Aristoteles ist zwar nicht systemrelevant, die taz hat ihm aber trotzdem ein ganzes Lab gewidmet, das hier nachzulesen ist.

Feynsinn hat auf eine Meldung der Internationalen Arbeitsorganisation ILO verwiesen, die auf einen der größten europäischen Skandale der vergangenen Jahrzehnte verweist: die hohe, viel zu hohe, zum Teil (Spanien) absurd hohe Jugendarbeitslosigkeit.

Professor Bunsen schwärmt von der magischen sozialen Alchemie seiner Timeline und schätzt den digitalen Graben, der die Gesellschaft teilt, mariannengrabentief ein.

Mindhacks macht auf einen Artikel in Slate aufmerksam. Der beschäftigt sich mit Fußgängerströmen und deren Mustern sowie Zonen des informellen menschlichen Austausches in einem solchen urbanen Kuddelmuddel (zum Beispiel Straßenecken, denen sich die Stadtforschung ja schon oft gewidmet hat). Dort ebenfalls verlinkt und lesenswert: ein älterer Artikel aus dem Economist: The wisdom of crowds. Wäre bestimmt interessant, anhand der Menschenströme in Mekka sich mal anzuschauen, was der alte Elias Canetti nicht herausfinden konnte, weil er nicht auf it-gestützte, in den Shopping Malls entwickelte Messmethoden zurückgreifen konnte. Und umgekehrt.

Und bereits vor einem Monat habe ich auf google plus einen Artikel in der NZZ empfohlen. Nur falls ihn noch jemand lesen möchte; ich textete seinerzeit:

In einem etwas länglichen Text beschreibt der Architekturtheoretiker Hans Frei, wie die Digitalisierung auch seine Branche verändert - sowohl in den Bauformen als auch (und wichtiger noch) in ihren grundsätzlichen Entstehungsbedingungen:

Entstehung:

Im digitalen Zeitalter kann die technische Fertigung nicht mehr so unangefochten wie bisher im Mittelpunkt des architektonischen Denkens stehen. (…) Architektur ist zuallererst aus dem Bedürfnis heraus entstanden, Menschen an einem Ort zu versammeln. Das Versammeln ist das, was zuerst kommt (griechisch: arche) und alles technisch Gefertigte (griechisch: techne) leitet.

In gewisser Hinsicht sind die Menschen, die heutzutage über internetfähige Geräte miteinander in Kontakt treten, in der gleichen Lage wie jene, die sich einst um das Feuer versammelt haben. Ohne Konkretisierung durch architektonische Mittel würden sich die zufälligen menschlichen Zusammenkünfte schnell in Rauch oder weisses Rauschen auflösen.

Formen:

Räume müssen nicht mehr unbedingt gebaut werden, um voneinander unterschieden zu werden. Im digitalen Zeitalter genügen Zulassungscodes und temporäre Atmosphären-Konstruktionen, um sie für bestimmte Zwecke einzustellen. Das beste Beispiel dafür sind elektronische Fussfesseln, mit denen sich der Bereich der Einschliessung individuell definieren lässt. (…)

Wo digitale Kontrollmechanismen das Sagen haben, verkommt die gebaute Realität zur hohlen Geste.


 
 
 

Die Kommentarfunktion zu diesem Beitrag wurde deaktiviert.

blogoscoop