Über das Risiko

Fibonaccis berühmtes Buch über das Risiko, Liber Abaci (1202), (…) behauptet den zufälligen Charakter aller Ereignisse, betont aber die menschliche Fähigkeit, Risiken zu berechnen. (…) Im berühmtesten Teil des Buches versuchte Fibonacci zu errechnen, wie viele junge Kaninchen in einem Jahr von einem einzigen Elternteil abstammen können. Aus solchen Reihenkalkulationen entwickelte sich die gesamte mathematische Wissenschaft der Vorhersage. (…)

Noch bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts versuchte man, das Risiko einfach durch den Austausch von Erfahrung und Information zu verstehen und zu vermindern. (…) Die von Fibonacci in Gang gebrachte Revolution ersetzte auf manchen Gebieten schließlich die Diskussion durch unpersönliche Statistiken.

Dennoch liegt die Furcht, das Schicksal herauszufordern, noch immer über der Risikoberechnung. Die Risikomathematik kennt keine Absicherung, und deshalb ist es ganz vernünftig, dass sich die Psychologie des Risikos auf mögliche Verluste konzentriert. (…) Allem Risiko wohnt die Drift inne, denn Drift ist die verbale Übersetzung der Regression zu einem Mittelwert. Anders ausgedrückt, dem Eingehen von Risiken fehlt mathematisch die Qualität einer Erzählung, bei der ein Ereignis zum nächsten führt und dieses bedingt.

(Aus: Richard Sennett Der flexible Mensch.)


 
 
 

5 Kommentare zu “Über das Risiko”

  1. BenZol
    14. Mai 2012 um 15:51

    “Fibonaccis berühmtes Buch über das Risiko, Liber Ab[b]aci (1202), [..]” Entweder ist das Zitat von Dir sinnenstellend exzerpiert worden (, was ich mir eigentlich nicht vorstellen kann) oder Sennett war äußerst schlampig bei der Recherche oder er ist ein “Name Droppin’ Son of a Bitch” (The Lazy Cowgirls), der nur auf Effekt spielt, was ich mir aber auch nicht vorstellen kann, weil Sennett an und für sich ein Guter ist. Also, was ist hier schief gelaufen?

  2. Thorstena
    14. Mai 2012 um 19:41

    Mmmh, das Zitat ist nicht von mir zerhackt worden, auch nicht über die Maßen verkürzt; hab gerade nochmal nachgelesen. Aber und also: Was meinst Du mit sinnentstellend, Ben?

  3. BenZol
    29. Mai 2012 um 13:24

    “Liber-Abacci” Fibonaccis “großes Buch über das Risiko” zu nennen, da kräuselt sich einfach mein Mesenterium. Sennett braucht m.M.n. weder die Legitimation per Fibonacci-Anspielung noch die damit verbundene Effekthascherei. Ich find’s einfach stillos.

  4. BenZol
    29. Mai 2012 um 14:03

    verdammt! “Abbaci” natürlich.

  5. Thorstena
    30. Mai 2012 um 17:30

    Was haste nur mit dem Fibonacci, ich verstehe Deinen Vorwurf nicht ganz - siehe zB dieses Buch über Risikomanagement: http://books.google.de/books?id=W65s28uejs4C&pg=PA8&lpg=PA8&dq=liber+abaci+risiko&source=bl&ots=jsGs836dC0&sig=NQiuVViydbjyczp-SFIr9EdpALw&hl=de&sa=X&ei=JzvGT-PWIInhtQaNutkU&ved=0CF0Q6AEwBA#v=onepage&q=liber%20abaci%20risiko&f=false - die Verbindung mit dem Thema Risiko scheint Sennett also nicht konstruiert zu haben.

blogoscoop