Zuckerberg auf den Spuren Quételets

Der belgische Statistiker und Astronom Lambert Adolph Quételet (1796 - 1874) kann als der Begründer der modernen Sozialstatistik gelten. (…) Ausgangspunkt von Quételets Theorie war die These, daß die menschlichen Handlungen eine Struktur regelmäßiger Wiederkehr aufweisen. In seinem Hauptwerk (…) konstruierte er nun einen “homme moyen”, dessen wahrscheinliche Handlungen sich für die Zukunft ebenso voraussagen ließen, wie sie statistisch in der Gegenwart und Vergangenheit zu erfassen waren. (…)

Bei Quételets “mittlerem Menschen” handelte es sich (…) in Wahrheit um ein soziales Artefakt, das sich aus den statistischen Durchschnittseigenschaften einer empirisch umgrenzten Bevölkerungsmenge (…) zusammensetzte. (…) Damit schuf er die theoretische Grundlage für eine sozialpolitische Zukunftsvorsorge bislang ungekannten Ausmaßes (…) [,] zur “sozialen Physik”, das heißt zur umfassenden Theorie des sozialen Verhaltens.

Für Quételet und die ihm folgende Sozialstatistik schien der Erforschung der Zukunft seither keine Grenzen mehr gesetzt. Das Forschungsfeld sozialstatistischer Zukunftsaussagen glaubten sie sogar überhaupt nur noch durch die Menge verfügbarer Daten begrenzt.

Tja, der Börsengang Facebooks ist bislang beschissen bescheiden verlaufen. Möglicherweise ist die Vermessung des Menschen also weit weniger wert als allgemein vermutet. Aber es hätte ja auch etwas Beruhigendes, wenn der Herr Zuckerberg auch nicht weiter käme in seinen Bemühungen wie einer seiner Vermessungsurahnen, der Herr Quételet. (Quelle: Lucian Hölscher: Die Entdeckung der Zukunft; besten Dank für die Empfehlung an den Untoten Ostgoten.)


 
 
 

2 Kommentare zu “Zuckerberg auf den Spuren Quételets”

  1. roman
    1. Juni 2012 um 09:30

    Der Herr Zuckerberg macht einen Fehler nach dem anderen. Der tappt von einem Naivitäts-Fettnäpfchen ins andere. Was noch keiner so richtig weiß, ist wo man FB ansiedeln soll. Bei der Bewertung des Unternehmens spielt ausschließlich eine Zahl eine Rolle. Das ist die Zahl der weltweiten User. Die Vermessungsdaten der Menschheit sind schon alle online verfügbar. Dafür brauchts die Zuckerbergsche Daten-Kehrmaschine nicht. Die Stärken von FB liegen far beyond. Möglicherweise braucht es weitere 150 Jahre, um diesem Thema näher zu kommen.

  2. Thorstena » Facebook ist eine Stadt und Frösche platzen, wenn sie aufgeblasen werden
    14. Februar 2014 um 23:45

    [...] haben ja ganz ähnlich wie im 19. Jahrhundert wieder einige Leute feuchte Träume, dass es Grundformeln einer sozialen Physik geben könnte, die [...]

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