Machen wir uns nichts vor XLIX

Es ist eine Eigenart digitaler Technologie, dass jede Handlung, die wir durch sie und mit ihr ausführen, gleichzeitig auf zwei Ebenen stattfindet, auf der menschenlesbaren Ebene der Kommunikation und der maschinenlesbaren Ebene der Daten. (…) In der ersten Phase des Internets wurden nun alle Eigenschaften der Kommunikation extrem erweitert. (…) Flexible, einbeziehende, offene Strukturen, die bisher nur in kleinen Gruppen funktionierten, wurden auf viel größere übertragen. (…) Das Symbol der zweiten Phase ist nicht mehr die Community, sondern das Datencenter - eine Blackbox mit industriellen Dimensionen, kapitalintensiv, komplex und opak. (…) Es ermöglicht das “Profil”, das zunehmend bestimmt, wie wir uns durch Welt (offline und online) bewegen können, und es brachte den “großen Bruder” zurück, jene allwissende Obrigkeit, von der wir glaubten, wir hätten sie hinter uns gelassen. (…) Repression ist aber die Ausnahme. Mit großen, gut organisierten Datenmengen lassen sich Menschen steuern, ohne dass ihnen diese Steuerung bewusst wird. Die Polizei wird nur im Notfall, wenn alles andere versagt hat, losgeschickt. (…) In der Folge entsteht ein neues Machtgefälle zwischen denen, die Zugang zu den Daten und damit den entsprechenden Wissensvorsprung besitzen, und denen, die auf der Ebene der Kommunikation verharren müssen. Unterm Strich kommt heraus, dass zwar die Kommunikationsmöglichkeiten extrem ausgeweitet wurden, Kommunikation als solche aber an Bedeutung verliert. (…) Die Gewichtsverschiebung von der Kommunikation zu den Daten ist keineswegs auf das Internet beschränkt. In unseren zunehmend postdemokratischen Gesellschaften kommuniziert Macht nicht mehr, sie managt, möglichst ohne wahrgenommen zu werden.

Felix Stalder stellt Kommunikation gegen Daten und erklärt so, warum Öffentlichkeit zur Soap gemorpht ist.


 
 
 

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