Von Tee zu Kunst und zurück

Ein Klumpen Tee ist ein Klumpen Tee, aber viele Klumpen Tee können ein Teehaus aus Teeziegeln ergeben - und wenn das dann von Ai Weiwei gebaut wurde, kann es sogar ein berühmtes Teehaus sein.

Wenn wir nun das Teehaus nähmen und auf eine große Wiese brächten und jeden einzelnen Teeklumpen dort wahllos hinauf schmissen, dann gäbe es kein Teehaus mehr. Und hinterher käme niemand auf die Idee, dass diese vielen Teeklumpen einmal ein Teehaus ergeben haben, sofern man nicht bei der Zerlegung und Verschmeißung desselben anwesend war.

Wenn Zufälligkeit (Teeklumpen) sich zur Gesetzmäßigkeit (Teehaus) wandelt, tritt Semantik (Kunstwerk) zutage. Wobei dies immer nur im Nachhinein zu erkennen ist, denn unterhalb einer Schwelle der Zerkleinerung löst sich ein Ereignis auf (Teehaus auf Wiese zu Teeklumpen).

Ai Weiwei ist ein Filter, ein Aggregator, ein Perzeptron, in diesem Fall für den Umbau von Tee in Kunst. Ein Journalist ist ein Filter etc. für den Umbau von Information in Text und Diskurs. Ein Verlag ist Think Tank und Filter etc. für dasselbe.

Die Dekonstruktion solcher Filter ist ein leichtes, wie wir in den vergangenen Jahren im Web gesehen haben. Der Rest und wesentlich längere Teil des Weges zu einem neuen Informationssystem, das einigermaßen diskursfähig ist, steht noch aus. Alles andere wäre Justin Bieber und #Icebucketchallenge in Endlosschleife.


 
 
 

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