Links (10.15 - 02.16)

Das neue Jahr scheint auch nicht besser zu werden als das alte. Dafür sind schon zu viele Leute gestorben, die eigentlich länger hätten hierbleiben sollen. In der Silvesternacht hat es sich bereits angedeutet: Die Komfortzone ist eine Illusion, nicht nur in Manchester.

thorstena ist nicht tot, aber de facto stillgelegt. Für einige Texte, die ich auf twitter teile, tut es mir aber leid, dass sie dort früher oder später verschimmeln. Bis auf Weiteres deshalb hier links zu Texten, die ich auch nach einigen Tagen, Wochen oder sogar Monaten noch brauchbar finde.

#Massenpsychologie

Ist dirty. Richtig dirty. Tilman Baumgärtel erinnert anhand #hatespeech an den Einfluss, den Gustave le Bon auf die Massenpsychologie hatte und hat. Letzteres ist ziemlich unglaublich, nicht nur, weil sein Werk alt (1895), sondern auch, weil es dirty nicht mehr zeitgemäß ist.

Seine Massenpsychologie beeinflusste Sigmund Freud und Max Weber. Die Nazis studierten seine Vorschläge zur Massenmanipulation gewissenhaft, ebenso Edward Bernays, der in den USA als Erfinder der Public Relations bekannt wurde und von dem mehrere Generationen von Werbern, Propagandisten und Spin Doctors ihr Handwerk lernten.

#Medientheorie #Diskurs

Nach der Vernunft kommt das Kalkül, schreibt Klaus-Dieter Knoll. Das erscheint zwingend, wenn man es aber ausspricht, gruselt einem. Allerdings nur, insofern man Ethik nicht ganz so unwichtig findet:

Appelle an die Vernunft (im aufklärerischen Sinne) werden dem Kalkül ebenso lächerlich erscheinen, wie der Vernunft Mahnungen zur Rückkehr zum (rechten) Glauben.

Zygmunt Bauman geht noch einen Schritt weiter und weist auf die verdeckte Rolle der Macht in Netzwerken hin. Konformitätsdruck is a bitch:

The difference between a community and a network is that you belong to a community, but a network belongs to you. (…) You are in control of the important people to whom you relate. (…)

David Weinberger hat neulich auch die Frage aufgegriffen, ob das Denken in Netzwerken Sinn zerstöre. Und Andreas Rödder hält das rhizomatische Denken, welches das lineare verdrängen könnte, vielleicht sogar für die größte Veränderung, die die Digitalisierung mit sich bringen wird.

#Bildung

Das geht bei denn Lesegewohnheiten schon los, wie Henning Lobin beschreibt:

In digitalen Medien folgen wir typischen Wahrnehmungsmustern. Das zeigt die Analyse solcher Blickbewegungen. Diese Muster leiten sich vom Durchforsten von Listen auf dem Bildschirm ab, beispielsweise in Suchmaschinen. Man schaut sich die oberen Ergebnisse genauer an, als die unteren, liest von links nach rechts. Das ergibt eine Schwerpunktsetzung oben links. Daraus folgt eine charakteristische F-Struktur. Interessant ist: Wir setzen diese Lesemuster unbewusst auch bei Texten ein, die für diese Art des Durchscannens gar nicht geeignet sind, einem Zeitungsartikel etwa.

Mehr noch als Medienkompetenz bräuchte man eine Digitaldidaktik in den Schulen und Hochschulen, um die Frage zu beantworten, wie sich die digitale Bildungsrevolution auf unsere Wahrnehmung auswirkt, meint Lobin.

Die Profiteure dieser Revolution werden sich mit solchen akademischen Fragen wohl eher nicht befassen wollen. Deren Sicht geht so; der Name Bertelsmann ist austauschbar, man könnte zum Beispiel auch Amazon schreiben oder oder:

Die Revolution (…) ist unaufhaltsam und ohne Alternativen. Träger der Revolution ist eindeutig die Technik, vor allem die aus dem Silicon Valley kommt. Damit sind auch gleich die Profiteure benannt, es sind „global agierende Unternehmen“.

Was fehlt? Geschichten über Verlierer.


 
 
 

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