Nachtrag: Internet und Zensur

Im vorherigen Eintrag hatte ich geschrieben, dass Blogs die Berichterstattung zu den “Kinderporno-Sperren” differenzierter machen. Ich hätte hinzufügen sollen: leider nur für Blogleser. So kritisch und wichtig die jüngst erschienenen Texte sind - etwa von Ralf Bendrath, (der sich um die “Demokratiefähigkeit der kommenden Internet-Gesellschaft” sorgt), Marcell Weiss (der Deutschland auf dem besten Wege zum Techno-Entwicklungsland sieht) und Robin Meyer-Lucht (der der Medienelite “Unwillen” konstatiert, “sich auf die neue Wissensökonomie des Netzes einzulassen”) - in den etablierten Medien ist der Tenor ein ganz anderer, was an dieser Stelle zum Beispiel der Artikel Susanne Gaschkes zeigen möge. Matthias Schwenk bringt das auf den Punkt, wenn er schreibt:

“Es entbehrt nicht eines erheblichen Maßes an Ironie, dass die hervorragend vernetzte und extrem fachkundige Webelite es nicht schafft, einen Protest gegen das Vorhaben der Regierung so aufzubauen, dass er in der Gesellschaft Gehör findet und von der Politik nicht ignoriert werden kann.”

Das ist wohlgemerkt nicht wegen fehlender Argumente so; man denke nur an das Youtube-Video, das in weniger als 30 Sekunden demonstriert, wie die geplanten Sperren zu umgehen sind:

httpv://www.youtube.com/watch?v=1NNG5I6DBm0

Und so kann Ursula von der Leyen recht unbehelligt weiterwursteln und ihre Internet-Ressentiments pflegen, die sie inzwischen offensichtlich auf diejenigen übertragen hat, die sich im Netz eigentlich ganz wohl fühlen. Anders kann ich mir dieses Statement auf Radio eins jedenfalls nicht erklären:

“Wir wissen, dass bei den vielen Kunden, die es gibt, rund 80 Prozent die ganz normalen User des Internets sind. Und jeder, der jetzt zuhört, kann eigentlich sich selber fragen, wen kenne ich, wer Sperren im Internet aktiv umgehen kann. Die müssen schon deutlich versierter sein. Das sind die 20 Prozent. Die sind zum Teil schwer Pädokriminelle. Die bewegen sich in ganz anderen Foren. Die sind versierte Internetnutzer, natürlich auch geschult im Laufe der Jahre in diesem widerwärtigen Geschäft.”


 
 
 

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