Tja

Kunst ist gut

Den schönsten Kommentar, den meine wunderbaren Mitstreiter und ich für unseren Auftritt bei der Fete de la Musique bekommen haben, hat mein guter alter Bekannter Dr. K-Braun abgegeben. Er lautete: Kunst ist gut.

Ich kann das nur unterstreichen: Kunst tut gut, auf jeden Fall.

Ich hab ein Fell dabei from fuck je t´aime on Vimeo.

Innere Emotionalisierung

Es gibt ja diesen altbekannten Spruch, wonach die Leute in Deutschland eher die Risiken als die Chancen sehen, wenn es um Technik, Digitalisierung und Internet geht.

In den Sozialen Netzwerken ist diese Binse inzwischen zu einem Mantra geworden, das ständig in den verschiedensten Varianten gesprochen wird, um sich zu vergewissern, auf der richtigen Seite zu stehen.

Schade eigentlich, dass nur die wenigsten unter den Netzbewegten zu merken scheinen, dass sie damit nur die Gräben zwischen der Online- und der Offline-Welt bestätigen, die sie so gerne zuschütten würden: Ihre immer wiederkehrenden Klagen sind ein Akt der inneren Emotionalisierung der eigenen Peergroup und insofern ebenso rückwärtsgewandt wie der nächste Anti-Google-Artikel im Feuilleton der FAZ.

Absurd wird es dann, wenn diese innere Emotionalisierung nach außen getragen und zur Forderung nach Unterstützung des Schönen, Wahren, Guten wird. Das war zum Beispiel bei den Krautreportern, einem journalistischen Crowdfunding-Projekt, zu besichtigen: Im Grunde bestand das Hauptargument, die Krautreporter zu unterstützen, darin, dass sie unterstützungswert seien, weil sie eben auf der richtigen Seite stünden. Kritische Stimmen waren offensichtlich nicht erwünscht.

Herausgeber Sebastian Esser verstieg sich im Nachgang der mit Ach und Krach erfolgreich absolvierten Fundingphase sogar zu der Aussage, das Alles-oder-nichts-Prinzip, die Emotionalisierung, sei das Wesen von Crowdfunding, und deshalb sei die Kritik um so ärgerlicher gewesen.

Irgendwie glauben derzeit ohnehin ja alle, dass man am besten alles alles mit Jefühlen aufladen müsse. Insofern ist die Emotionalisierung eine Schwester von Big Data: Sie ist so hip, dass es vor allem darauf ankommt, sie zu betreiben. Ob etwas und was dabei herauskommt, scheint eher nebensächlich zu sein.

(Vielleicht mit dem kleinen Unterschied, dass die Netzbewegten möglicherweise eine Menge über Big Data wissen, aber ganz offensichtlich nur wenig über Emotionen.)

Tanzeinlage LXVII

Körperkraft in Koordination und Anmut (via @kottke).

Was Transparenz und Öffentlichkeit verbindet

Der Literaturwissenschaftler Manfred Schneider vermutet, dass es der griechische Dichter Äsop gewesen sein könnte, der die Idee der Transparenz der Menschheit in den Kopf gesetzt hat. Das wäre dann so um 600 v.Chr. der Fall gewesen.

Äsop schrieb eine Fabel über Momos, den Gott des Spottes und des Tadels, der einen Wettstreit zwischen Zeus, Athene und Prometheus zu beurteilen hatte. Sie stritten sich um den Titel des besten göttlichen Gestalters, und Zeus erschaffte den Stier, Athene das Haus und Prometheus den Menschen.

Doch Momos war nicht zufrieden: Er tadelte Zeus, dass er dem Stier die Augen nicht zwischen die Hörner gesetzt hatte, damit er sehe, wohin er stoße. Er tadelte Athene, weil sie ihr Haus nicht mit Rädern versehen hatte, um sich unliebsamen Nachbarn zu entziehen. Und ihm gefiel nicht, dass Prometheus das Bewußtsein des Menschen nicht außen an den Körper angebracht hatte, um zu sehen, was er wirklich denke. (Zeus verbannte Momos daraufhin aus dem Götterhimmel, aus dem Olymp.)

Nur etwas, das offen für alle Augen zu Tage liegt, ist gewiss - dieses Credo ist nicht weit weg vom mittelalterlichen Glauben an das Licht als den Ort der Tugend im Gegensatz zum Dunkeln als dem des Lasters. Dass “in der öffentlichen Manifestation der Dinge ihre Evidenz begründet liegen müsse” (Lucian Hölscher), schwang beim deutschen Begriff öffentlich schon immer mit.

Natürlich sind Öffentlichkeit und Transparenz nicht ein und dasselbe. Man kann aber sagen, das erstere ohne ein gewisses Maß der letzteren zwar möglich, aber sinnlos ist.

Die Gretchenfrage lautet: Was wird veröffentlicht – und was bleibt geheim? Das ist die Testfrage. Was wird bei dieser Art von Öffentlichkeit nicht gesagt? Das ist das Entscheidende.

Momentan kommt dabei heraus, dass zwar die Kommunikationsmöglichkeiten extrem ausgeweitet wurden, Kommunikation als solche aber an Bedeutung verliert. Und deshalb kommt es mir so vor, als ob die Öffentlichkeit zur Soap gemorpht sei.

No Logo für Digital Natives

Die Dokumentarfilmerin Astra Taylor hat mit The People´s Platform ein Buch geschrieben, das bei einigen Beobachtern des Technologie- und Internetdiskurses bereits als No Logo für Digital Natives ins Spiel gebracht wird.

Das vor knapp 15 Jahren erschienene No Logo ist bis dato eines der populärsten globalisierungskritischen Bücher ever gewesen. Astra Taylor holt nun diese Kritik in den Netzdiskurs und stellt sie gleichberechtigt neben die NSA-Überwachungsaffäre.

Ihre These: Wir benötigen eine politische Ökonomie des Internet, da die gut vs. böse-Denke vieler netzaffiner Beobachter und Akteure weder die Rolle der Internetwirtschaft als Informationszulieferer für den globalen Überwachungsapparat noch ihr toxisches Erbe, das sie der globalen Finanzwirtschaft und den old economy-Medien zu verdanken hat, ausreichend in Rechnung stellt. (”Despite the exciting opportunities the Internet offers, we now have Hollywood moguls and Silicon Valley tycoons.”)

Deutlich wird das zum Beispiel in einem Eurozine-Interview, in dem sie gefragt wird, wie sie ihr Buch nach Snowden ergänzen würde. Sie antwortet:

I have tremendous respect for Edward Snowden, Glenn Greenwald and Laura Poitras, who did a brave public service. If I updated the book, I would discuss the disclosures in greater detail but I would also try to draw more attention in the context of the surveillance debate to structural inequality. The NSA disclosures typically get presented in a way that reinforces knee-jerk anti-government sentiment, strengthening the libertarian worldview that is especially dominant in tech circles (…). To counter this tendency I’d say more about the way state surveillance is facilitated by and depends on a digital economy centred on advertising revenue and intensive data collection, and emphasize the role of private corporations and market forces play in the everyday invasion of our privacy.

While there is the image of heroic (always white male) hackers resisting state spooks, people of colour and the poor are disproportionately scrutinized. They are the victims of surveillance we need to look to. When we do, we get a less sexy but more accurate image of the present and the future: invasive infiltration of Arab and Muslim communities, tracking people through welfare and social benefits programs, price and credit discrimination based on profiles compiled by unaccountable data miners, and so on.

Surveillance is a free speech issue and an economic justice issue, but work still needs to be done to connect those dots. (Fettung von mir.)

Information Infrastruktur Internet

Kommunikation ist, sofern sie durch Medien vermittelt wird, keineswegs schon immer unabhängig von Orten gewesen. Sie ist gewachsen und war verknüpft mit Transportträger-Netzen wie den Kurieren, der Postkutsche und später der Eisenbahn. Insofern ist es nur folgerichtig, dass die physische Infrastruktur des Internet den alten Handelsrouten folgt und die Unterseekabel dieselben Orte verbinden, die schon immer miteinander verbunden waren.

Der Radiojournalist Moritz Metz ist der physischen Struktur des Netzes im wahrsten Sinne des Wortes nachgegangen - von der Telefonbuchse in der eigenen Wohnung bis zum Haus von Larry Page. Herausgekommen ist ein unterhaltsamer und informativer Vortrag, den er auf der re:publica 2014 gehalten hat (via Felix Schwenzel).

Machen wir uns nichts vor L

Internet ohne soziologisch geschwurbelte Metablogs, die keiner peilt, ist kacke. Also ran an die Wurst und Welt verändern! Sonst Stillstand.

Randnotiz: Ich folge dem Rat des geschätzten Dr. K-Braun und erkläre meine Sinnkrise für beendet, weil albern.

Sinnkrise

Ich bin leer und muss nachdenken.

#Öffentlichkeit

Die Öffentlichkeit, auf die ich mich berufe, ist kein Subjekt. Da sie kein Subjekt ist, kann ich mit ihr auch nicht verhandeln. Öffentlichkeit ist ein Resonanzboden für diejenigen, die Stimmen einspeisen und reflektorisch Stimmen zurückerhalten. Das wäre meine Metapher.

Die Gretchenfrage lautet: Was wird veröffentlicht – und was bleibt geheim? Das ist die Testfrage. Was wird bei dieser Art von Öffentlichkeit nicht gesagt? Das ist das Entscheidende. Das weiß man als Historiker so wenig wie als Journalist. Die Frage ist, wie man an die Informationen herankommt, die nicht öffentlich sind …

Natürlich ist Öffentlichkeit eine Projektion derer, die sie definieren wollen. Sie wird gemacht, im Sinne der Urheberschaft seitens der Intellektuellen, das sind die Presseleute, die Professoren, Priester, alle, die heute PR betreiben, die sechs großen Ps – Professoren, Pastoren, PR-Leute, Presse, Poeten und natürlich die Politiker. Das sind die, die sagen, was die öffentliche Meinung zu sein hat.

Der theoretische Anspruch von Öffentlichkeit ist natürlich universal. De facto ist die Öffentlichkeit begrenzt durch die Fähigkeit der Sprache und durch die kulturelle Basis, von der Sprache lebt und auf die sie Bezug nimmt, und da besitzt die arabische Welt (…) sicher eine andere Art von Öffentlichkeit, so wie früher die chinesische und die japanische eine andersartige hatten und bis heute haben, oder die Inder und Pakistani. Aber der Anspruch des Öffentlichkeitsprinzips, dass nämlich alles kommunizierbar sein sollte, ein normativer Anspruch, den Habermas mit großer moralischer Emphase vorträgt, der ist natürlich universal gedacht. Nur in der Empirie ist er immer gebrochen, da hat sich noch nicht viel geändert. Es sind eben verschiedene Konfessionen, verschiedene Religionen, verschiedene Nationen, verschiedene Wirtschaftssysteme – alles mögliche Subjekte, die in der Öffentlichkeit sich artikulieren.

Wenn über Öffentlichkeit geredet wird, meint ja jeder immer irgend etwas anderes, und in den Gesprächen darüber geht alles fürchterlich durcheinander und einander vorbei, und das dürfte unter anderem daran liegen, dass es einen Unterschied macht, ob man Öffentlichkeit mit einer Erwartung auflädt und sie daran misst oder ob man vor allem guckt, was sie macht und wie sie zusammen gesetzt ist. Darauf will der Historiker Reinhart Koselleck in diesem Interview hier offensichtlich hinaus.

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