Im Nullpunkt der Fakten ist alles Stimmung

Es ist notwendig, die Einbildungen beziehungsweise die Meinungen zu beherrschen, wenn nicht jeder Zugang zu den Tatsachen versperrt bleiben soll.

Robert Pfaller sagt, was Epiktet vor gut 2.000 Jahren schon sagte: Nicht die Dinge selbst, sondern die Meinungen über dieselben beunruhigen die Menschen.

Tanzeinlage LXXII

possessed by technology (via nerdcore).

Links (10.15 - 02.16)

Das neue Jahr scheint auch nicht besser zu werden als das alte. Dafür sind schon zu viele Leute gestorben, die eigentlich länger hätten hierbleiben sollen. In der Silvesternacht hat es sich bereits angedeutet: Die Komfortzone ist eine Illusion, nicht nur in Manchester.

thorstena ist nicht tot, aber de facto stillgelegt. Für einige Texte, die ich auf twitter teile, tut es mir aber leid, dass sie dort früher oder später verschimmeln. Bis auf Weiteres deshalb hier links zu Texten, die ich auch nach einigen Tagen, Wochen oder sogar Monaten noch brauchbar finde.

#Massenpsychologie

Ist dirty. Richtig dirty. Tilman Baumgärtel erinnert anhand #hatespeech an den Einfluss, den Gustave le Bon auf die Massenpsychologie hatte und hat. Letzteres ist ziemlich unglaublich, nicht nur, weil sein Werk alt (1895), sondern auch, weil es dirty nicht mehr zeitgemäß ist.

Seine Massenpsychologie beeinflusste Sigmund Freud und Max Weber. Die Nazis studierten seine Vorschläge zur Massenmanipulation gewissenhaft, ebenso Edward Bernays, der in den USA als Erfinder der Public Relations bekannt wurde und von dem mehrere Generationen von Werbern, Propagandisten und Spin Doctors ihr Handwerk lernten.

#Medientheorie #Diskurs

Nach der Vernunft kommt das Kalkül, schreibt Klaus-Dieter Knoll. Das erscheint zwingend, wenn man es aber ausspricht, gruselt einem. Allerdings nur, insofern man Ethik nicht ganz so unwichtig findet:

Appelle an die Vernunft (im aufklärerischen Sinne) werden dem Kalkül ebenso lächerlich erscheinen, wie der Vernunft Mahnungen zur Rückkehr zum (rechten) Glauben.

Zygmunt Bauman geht noch einen Schritt weiter und weist auf die verdeckte Rolle der Macht in Netzwerken hin. Konformitätsdruck is a bitch:

The difference between a community and a network is that you belong to a community, but a network belongs to you. (…) You are in control of the important people to whom you relate. (…)

David Weinberger hat neulich auch die Frage aufgegriffen, ob das Denken in Netzwerken Sinn zerstöre. Und Andreas Rödder hält das rhizomatische Denken, welches das lineare verdrängen könnte, vielleicht sogar für die größte Veränderung, die die Digitalisierung mit sich bringen wird.

#Bildung

Das geht bei denn Lesegewohnheiten schon los, wie Henning Lobin beschreibt:

In digitalen Medien folgen wir typischen Wahrnehmungsmustern. Das zeigt die Analyse solcher Blickbewegungen. Diese Muster leiten sich vom Durchforsten von Listen auf dem Bildschirm ab, beispielsweise in Suchmaschinen. Man schaut sich die oberen Ergebnisse genauer an, als die unteren, liest von links nach rechts. Das ergibt eine Schwerpunktsetzung oben links. Daraus folgt eine charakteristische F-Struktur. Interessant ist: Wir setzen diese Lesemuster unbewusst auch bei Texten ein, die für diese Art des Durchscannens gar nicht geeignet sind, einem Zeitungsartikel etwa.

Mehr noch als Medienkompetenz bräuchte man eine Digitaldidaktik in den Schulen und Hochschulen, um die Frage zu beantworten, wie sich die digitale Bildungsrevolution auf unsere Wahrnehmung auswirkt, meint Lobin.

Die Profiteure dieser Revolution werden sich mit solchen akademischen Fragen wohl eher nicht befassen wollen. Deren Sicht geht so; der Name Bertelsmann ist austauschbar, man könnte zum Beispiel auch Amazon schreiben oder oder:

Die Revolution (…) ist unaufhaltsam und ohne Alternativen. Träger der Revolution ist eindeutig die Technik, vor allem die aus dem Silicon Valley kommt. Damit sind auch gleich die Profiteure benannt, es sind „global agierende Unternehmen“.

Was fehlt? Geschichten über Verlierer.

Imagine

Imagine there’s no countries
It isn’t hard to do
Nothing to kill or die for
And no religion too
Imagine all the people
Living life in peace…

You may say I’m a dreamer
But I’m not the only one
I hope someday you’ll join us
And the world will be as one

#kreativität

Monty Python war so erfolgreich, weil jeder von uns ein ziemlich beachtliches Talent hatte, das sich sehr von dem der anderen unterschied. Wissen Sie, die Leute glauben immer, ein erfolgreiches Team müsste aus möglichst gleichartigen Leuten bestehen. Das stimmt aber nicht. In einem wirklich guten Team decken die einzelnen Leute möglichst unterschiedliche Dinge ab.

Es war eine wunderbare Zeit damals beim Fernsehen zu arbeiten, weil die BBC eine Reihe von Produzenten und Bereichsleiter hatte, die glücklich damit waren, Talent zu unterstützen. Produzenten und Bereichsleiter müssen nicht zwingend kreativ sein; aber sie müssen in der Lage sein, Talent zu entdecken und zu fördern.

Heute entscheiden eine Menge Leute, die nie geschrieben, nie inszeniert und nie gespielt haben. Aber sie glauben, sie wissen, wie’s geht! Und sie erzählen denen, die tatsächlich schreiben, spielen und inszenieren können, was sie zu tun haben. Das ist im Grunde genommen krank.

Und ich glaube, dass genau dieses Nichts, aus dem heraus wir starteten, der eigentliche Grund dafür war, warum Monty Python so kreativ werden konnte. Weil wir nicht schon besetzt waren von einer unreifen und aufgezwungenen Idee.

John Cleese

Mehr 7 Sünden der Internetgesellschaft

1 Innen ohne Außen

2 Hybris ohne Fall

3 Fremdwort ohne Sinn

4 Hass ohne Angst

5 Angst mit Hass

6 Opportunismus ohne Liebe

7 Technik ohne Gesellschaft

(Ausgangspunkt: Christoph Kappes, 7 Sünden der Internetgesellschaft.)

Tanzeinlage LXXI

Jetzt


Die kalifornische Ideologie steht im Zenit und ist im Mainstream angekommen. Baby Boomer bekommen Dienstreisen ins Silicon Valley bezahlt und missionieren nach ihrer Rückkehr mit leuchtenden Augen die Kollegen. Wem Disruption nichts sagt, ist raus - dissraptschon ist der Zugangscode zur Party.

Jetzt ist die Zeit, darüber nachzudenken, was danach kommen wird. Denn im Mainstream sind alle Messen schon gelesen. Wir wissen ja, daß oft die äußeren, sichtbarlichen und greifbaren Zeichen und Symbole des Glückes und des Aufstieges erst erscheinen, wenn in Wahrheit alles schon wieder abwärts geht.

(Nein, Dieckmann ist kein Visionär, sondern auch nur ein Businesskasper.)

äh, ja

Der unvergleichliche Ahne philosophiert über die Zeit nach 40.

Braune Kacke

Anfang Februar stimmte die Schweiz über die Initiative gegen Masseneinwanderung ab. Das Ergebnis war knapp: 50,3 Prozent nahmen an. Die Konsequenzen sind aber alles andere als knapp: Statt offener Grenzen zu Europa installiert die Schweiz wieder Kontingente. Wirtschaftlich bedeutet das milliardenteuren Ärger mit der EU. Innenpolitisch triumphiert die harte Rechte. Das Land ist auf Jahre hinaus gelähmt. (…)

Es waren die bürgerlichen Banken-, Konzern-, Globalisierungsskeptiker (40 Prozent der Wirtschaftspartei FDP), die der Masseneinwanderungsinitiative zur Mehrheit verhalfen. Sie haben nicht Banken, Konzerne oder Manager reguliert. Sondern die Grenzen für Ausländer geschlossen. (…)

Das Problem ist, dass sich die Macht aufgespalten hat: in eine Elite, deren Verdienst nicht auf der Höhe ihres Gehalts ist. Und eine Anti-Elite, die versucht, klein zu machen, was zu kriegen ist. Zwei Lager, zu denen man nicht gehören will.

Das Phänomen Pegida ist braune Kacke, keine Frage. Ich frage mich nur, wohin es führen soll, wenn man alle, die da mitlaufen, individuell als rechtsextrem labelt. (Constantin Seibt hat seine Landsleute, die in der Schweiz gegen “Masseneinwanderung” stimmten, jedenfalls nicht in diese Ecke gestellt, sondern überlegt, in welchem geistigen Klima solche Hirnfurzpflanzen gedeihen - deshalb habe ich mich wahrscheinlich an diesen Text erinnert und zitiere ihn hier jetzt.)

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