Krautrock lebt

Nachtrag: Ich muss dann noch etwas zu der Band loswerden, die da spielt: Camera aus Berlin ist bekannt geworden, indem sie unangekündigt an den unterschiedlichsten Orten spielte, vorzugsweise in U-Bahnstationen. Beim Echo 2012 gar auf der Herrentoilette. Die Band spielt Krautrock, aber man hört natürlich den Einfluss von Techno bzw. House.

Übrigens: Camera spielt am 23. Dezember im Kreuzberger SO 36 zusammen mit Damo Suzuki, dem ehemaligen Can-Sänger.

Tanzeinlage LXX

Selma Hayek in Quentin Tarantinos From Dust Till Dawn zu Tito & Tarantulas After Dark.

Ausgebloggt?

Das Nachdenken und die Berichterstattung über den „digitalen Strukturwandel“, über Szenen und Technik, ist im Mainstream angekommen. Unter diesen Umständen kann es kein Blog mehr geben, das den Anspruch erhebt, hierfür sozusagen eine Agentur zu sein, wo etwas Besonderes sich abspielt oder das sich sonst vom Rest der Debatte abheben würde. (…)

Wir haben alles schon mal geschrieben, alles schon mal gedacht. Alles schon mal ausprobiert. Und wir können davon immer noch nicht leben, sondern wir gehören zu den Überzeugungstätern und zu den Zeitreichen. (…)

Wir haben also auskommentiert. Es ist vorbei. Wir schreiben nur noch weiter, ungefähr so, wie das Orchester auf der Titanic bis ganz zum Schluß immer weiter gespielt hatte. Ob sich die Musiker dabei zu einem bestimmten Zeitpunkt ein neues Design verpaßt hatten, ist nicht überliefert.

Jürgen Fenn aka Schneeschmelze denkt über die Schlammschlacht beim Mehrautorenblog Carta und über den Stand der Blogosphäre an sich nach. Wobei Fenn seinen Ansatz selbst einen idealistischen nennt: Für ihn ist ein(e) wahre(r) Blogger(in) jemand, der (vor allem materiell) unabhängig schreibt und versucht, eine “kommunikative und gesellschaftliche Funktion” zu erfüllen, nämlich “den Diskurs zu fördern und aufzuklären”.

Insofern hat er natürlich recht: Das “echte Bloggen” ist etwas für, nun ja, seltene Vögel.

Tanzeinlage LXIX

Aus Rita’s Last Fairy Tale, einem Film über die Liebe, den Hass und den Tod.

Von Tee zu Kunst und zurück

Ein Klumpen Tee ist ein Klumpen Tee, aber viele Klumpen Tee können ein Teehaus aus Teeziegeln ergeben - und wenn das dann von Ai Weiwei gebaut wurde, kann es sogar ein berühmtes Teehaus sein.

Wenn wir nun das Teehaus nähmen und auf eine große Wiese brächten und jeden einzelnen Teeklumpen dort wahllos hinauf schmissen, dann gäbe es kein Teehaus mehr. Und hinterher käme niemand auf die Idee, dass diese vielen Teeklumpen einmal ein Teehaus ergeben haben, sofern man nicht bei der Zerlegung und Verschmeißung desselben anwesend war.

Wenn Zufälligkeit (Teeklumpen) sich zur Gesetzmäßigkeit (Teehaus) wandelt, tritt Semantik (Kunstwerk) zutage. Wobei dies immer nur im Nachhinein zu erkennen ist, denn unterhalb einer Schwelle der Zerkleinerung löst sich ein Ereignis auf (Teehaus auf Wiese zu Teeklumpen).

Ai Weiwei ist ein Filter, ein Aggregator, ein Perzeptron, in diesem Fall für den Umbau von Tee in Kunst. Ein Journalist ist ein Filter etc. für den Umbau von Information in Text und Diskurs. Ein Verlag ist Think Tank und Filter etc. für dasselbe.

Die Dekonstruktion solcher Filter ist ein leichtes, wie wir in den vergangenen Jahren im Web gesehen haben. Der Rest und wesentlich längere Teil des Weges zu einem neuen Informationssystem, das einigermaßen diskursfähig ist, steht noch aus. Alles andere wäre Justin Bieber und #Icebucketchallenge in Endlosschleife.

Machen wir uns nicht vor LI

Niemand sagt von sich, er sei ein Element einer quantitativ sehr mächtigen Menge (…) [oder] von Mengen, die sich überschneiden, auch wenn sie kausal nicht miteinander zusammenhängen. Unser Leben läuft sozusagen in einem Meer von unzähligen simultanen Statistiken ab, und die Zivilisation ist eine Einrichtung, welche die Zufälle real aus dem allgemeinen Dasein verbannen soll (…), während die Kultur die Zufälligkeit durch eine ihr eigentümliche “Wegerklärung” ausschaltet. (…) Deshalb ist der Argwohn, daß Zufallserscheinungen etwas Äußerliches seien, hinter dem sich kausale Zusammenhänge verbergen, (…) nicht die Ausnahme von der Regel kultureller Verhaltensweisen, sondern gerade deren normale, allerdings übersteigerte Konsequenz.

Stanisław Lem: Summa technologiae (1964)

Tanzeinlage LXVIII

Diana Bastet mixt Bauchtanz mit Heavy Metal.

Tja

Kunst ist gut

Den schönsten Kommentar, den meine wunderbaren Mitstreiter und ich für unseren Auftritt bei der Fete de la Musique bekommen haben, hat mein guter alter Bekannter Dr. K-Braun abgegeben. Er lautete: Kunst ist gut.

Ich kann das nur unterstreichen: Kunst tut gut, auf jeden Fall.

Ich hab ein Fell dabei from fuck je t´aime on Vimeo.

Innere Emotionalisierung

Es gibt ja diesen altbekannten Spruch, wonach die Leute in Deutschland eher die Risiken als die Chancen sehen, wenn es um Technik, Digitalisierung und Internet geht.

In den Sozialen Netzwerken ist diese Binse inzwischen zu einem Mantra geworden, das ständig in den verschiedensten Varianten gesprochen wird, um sich zu vergewissern, auf der richtigen Seite zu stehen.

Schade eigentlich, dass nur die wenigsten unter den Netzbewegten zu merken scheinen, dass sie damit nur die Gräben zwischen der Online- und der Offline-Welt bestätigen, die sie so gerne zuschütten würden: Ihre immer wiederkehrenden Klagen sind ein Akt der inneren Emotionalisierung der eigenen Peergroup und insofern ebenso rückwärtsgewandt wie der nächste Anti-Google-Artikel im Feuilleton der FAZ.

Absurd wird es dann, wenn diese innere Emotionalisierung nach außen getragen und zur Forderung nach Unterstützung des Schönen, Wahren, Guten wird. Das war zum Beispiel bei den Krautreportern, einem journalistischen Crowdfunding-Projekt, zu besichtigen: Im Grunde bestand das Hauptargument, die Krautreporter zu unterstützen, darin, dass sie unterstützungswert seien, weil sie eben auf der richtigen Seite stünden. Kritische Stimmen waren offensichtlich nicht erwünscht.

Herausgeber Sebastian Esser verstieg sich im Nachgang der mit Ach und Krach erfolgreich absolvierten Fundingphase sogar zu der Aussage, das Alles-oder-nichts-Prinzip, die Emotionalisierung, sei das Wesen von Crowdfunding, und deshalb sei die Kritik um so ärgerlicher gewesen.

Irgendwie glauben derzeit ohnehin ja alle, dass man am besten alles alles mit Jefühlen aufladen müsse. Insofern ist die Emotionalisierung eine Schwester von Big Data: Sie ist so hip, dass es vor allem darauf ankommt, sie zu betreiben. Ob etwas und was dabei herauskommt, scheint eher nebensächlich zu sein.

(Vielleicht mit dem kleinen Unterschied, dass die Netzbewegten möglicherweise eine Menge über Big Data wissen, aber ganz offensichtlich nur wenig über Emotionen.)

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