Kurze Anmerkung zur gerade wieder stark blubbernden Urheberrechtsdebatte: “Wer die Markwirtschaft akzeptiert, aber Urhebern das Recht aufs Wirtschaften abspricht, ist ein Heuchler”, schreibt Konrad Lischka, und das hört sich wesentlich undiplomatischer an als neulich Sascha Lobo, der meinte: “Der Fortbestand des freien und offenen Netzes hängt auch davon ab, ob sich mit Inhalten ausreichend viel Geld verdienen lässt.”
Mein Problem mit Lischkas Quintessenz hat Benedikt Köhler auf Twitter auf den Punkt gebracht. Dort stellt er die künstliche Frontenstellung in Frage, die der Spiegelmann sich da zurechtgetastaturt hat:

“Moment mal, wer gegen ACTA ist, ist doch nicht zwangsläufig für Apple, Google und Megaupload?”, twittert Köhler und fügt daraufhin völlig korrekt an, dass es übrigens “auch Marktwirtschaften mit liberalen Fair-Use-Regelungen” gebe.
(Es sieht ganz danach aus, als ob sich in der Urheberrechtsdebatte ein Klimawandel ankündigt: Der Druck auf das freie und offene Netz steigt, da die vorhandenen digitalen Geschäftsmodelle bislang weder wirtschaftlich noch inhaltlich das halten, was sich viele Webevangelisten einst und immer noch von Ihnen versprochen haben. Wenn es sich nicht um so viel Geld und damit existenzielle (Geschäfts-)Interessen handelte, könnte man locker den Zeithorizont ausweiten und sagen: Ja nun, wird schon noch kommen.
So ist es aber nunmal nicht, und deshalb wäre es auch ziemlich bescheuert, wenn die digitalen Meinungsmacher unterdessen in der Mehrzahl so reagierten wie Lischka. Denn dann dürfte das Warten auf das neue, nachhaltige, smoothe und wirtschaftlich attraktive digitale Geschäftsmodell einen ziemlich unschönen Nebeneffekt haben: die Spaltung der so genannten Netzgemeinde, der ohnehin schwächsten Internet-Interessengruppe neben Content-Verwertern und Tech-Unternehmen.)
Aktualisierung: Na, hätte ich geahnt, dass Marcel Weiß und Sascha Lobo auf google plus eine solch spektakuläre Diskussion abliefern würden, hätte ich wohl geschwiegen.