#aufmerksamkeitserheischungskultur

Jeder Penny, den Google verdient, und das sind eine Menge, spricht dafür, dass der Schwarm versagt hat“, sagt Jaron Lanier. Das Unternehmen ist für Internet-Pionier Lanier der sinnfällige Ausdruck schlechthin für die Überlegenheit der Aufmerksamkeitserheischungskultur über die Schwarmintelligenz:

“Es ist absurd, wie entscheidend Werbung für die neue digitale Schwarm- oder Bienenstockökonomie ist, und noch absurder, dass von diesem Umstand nicht mehr Aufhebens gemacht wird. (…) Ein funktionierendes, auf ehrlicher Schwarmintelligenz aufbauendes System müsste der bezahlten Überredung überlegen sein. Wenn der Schwarm so viel weiß, sollte er jedem einzelnen von uns zu optimalen Entscheidungen verhelfen können (…). Die ganze bezahlte Überredung sollte zur Disposition stehen.”

Interessant, dass sich jüngst auch Geert Lovink zu Wort gemeldet hat, dem ja ebenfalls der Internetpionier-Status zugebilligt wird. Lovink überträgt das, was Lanier an den Unternehmen und dem Markt kritisiert, auf jeden einzelnen Nutzer Sozialer Netzwerke:

“Es geht heute im Netz um eine völlig einfache und konservative Form der Selbstdarstellung. Es ist so, als ob man sich ständig irgendwo bewerben würde. Das war so nicht gedacht. Man wollte damit viel spielerischer und kreativer umgehen. (…) Das Netz ist eine Tragödie der Selbstrepräsentation.”

Diese Kritiken stellen den gegenwärtigen Konsens innerhalb der so genannten Blogosphäre, der die Reputation im Netz - ob als Individuum, Unternehmen oder Institution - als zentralen Faktor beinhaltet, auf ganzer Linie in Frage. Da die Kritiker ausgemachte Experten sind, wiegt das umso schwerer - wobei die Kritik ja nicht neu ist. (Beide Texte standen übrigens in FAZ.NET; ein Schelm, der Böses dabei denkt. (#Schirrmacher)).


 
 
 

6 Kommentare zu “#aufmerksamkeitserheischungskultur”

  1. Matthias Schwenk
    19. Januar 2010 um 21:02

    Genau so ist es! Wie pervertiert das System mittlerweile ist, zeigt sich aktuell auch auf Carta: Ich kritisiere Robert Basic für den Verkauf seines Twitter-Accounts und kriege dann in den Kommentaren (Nr. 15) vorgehalten, ich würde “die Großen angreifen”, nur um selbst mehr Traffic zu bekommen.

    Das ist die Aufmerksamkeitserheischungskultur in Reinstform, oder?

  2. admin
    20. Januar 2010 um 01:18

    Das ist grundsätzlich leider wahr. Aber im Falle Deines 15. Kommentars liegt ohnehin ein Irrtum von Seiten des Verfassers vor: Robert Basics Wirken im Netz ist mit dem großen Wörtchen “groß” fachlich nicht wirklich treffend wiedergegeben. Ich glaube, den Schuh solltest Du Dir noch nicht einmal im Geiste anziehen. Du nennst ihn Harlekin; hättest Du Querdenker geschrieben, hätten sich andere aufgeregt…

  3. BenZol
    22. Januar 2010 um 11:23

    “PR ist, dass Menschen über Ideen und Projekte sprechen,…” (http://carta.info/21781/robert-basic-buzzriders/)

    Auahauahauahau! Sein Vorgehen und insbesondere die obige Aussage in dieser Sache sind wohl eher diesem Wikipedia-Eintrag (http://de.wikipedia.org/wiki/Troll_(Netzkultur)) zuzuordnen, als dem, auf den er wohl eigentlich abzielen sollte/wollte: http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96ffentlichkeitsarbeit.

    Andererseits glaube ich, dass die menschliche Kultur schon seit jeher eine Aufmerksamkeitserheischungskultur ist (vgl. hübsch geformte Knochen im Haar oder -moderner- Lippenstift und den neuen Mach-10 Turbo-Stoppelbekämpfer). Blöd nur, dass die neuen Technologien das Geschrei aus dem Nachbarbaum jetzt durch den ganzen Wald dröhnen lassen.

    Eine schöne Biometapher zum Ende der Woche, ha! ;-)

  4. Thorstena » Realität, mit Werbung angereichert
    28. Januar 2010 um 09:15

    [...] geht also um die Schattenseiten der Aufmerksamkeitserheischungskultur, die zum Beispiel Keiichi Matsuda im unten stehenden Video anhand einer der ökonomischen [...]

  5. Thorstena » Doktrinärer Katzenjammer
    23. Februar 2010 um 15:03

    [...] aber sind das - nach meiner Wahrnehmung jedenfalls - bei weitem nicht so viele wie die, die die Aufmerksamkeitserheischungskultur bereits soweit verinnerlicht haben, als dass sie nicht mehr in der Lage zu sein scheinen, Meinungen [...]

  6. Thorstena » “Supermeme”
    6. September 2010 um 21:59

    [...] Sarrazin auseinandergesetzt und dabei unter anderem über Rückkopplungseffekte in der digitalen Aufmerksamkeitserheischungskultur nachgedacht. Hier deu­tet sich ein neues Phä­no­men für die Medi­en­theo­rie an: Weil die [...]

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