Arbeit, Kapital, Daten

Sprunghaft angestiegen sei das Geschäft des Informationsmanagements, des Geschäftes also, das Unternehmen und Organisationen dabei hilft, Nutzen aus ihren wachsenden Datenbeständen zu ziehen, meldet der Economist: Demnach investierten allein Oracle, IBM, Microsoft und SAP in den vergangenen Jahren rund 15 Milliarden US-Dollar, um auf Datenmanagement oder -analyse spezialisierte Firmen zu kaufen. Insgesamt wachse, so das britische Globalisierungs- und Wirtschaftsblatt, diese Sparte der IT-Branche doppelt so schnell wie der Rest der Software-Industrie und werde derzeit 100 Milliarden US-Dollar schwer geschätzt.

Es bleibt schwierig für Unternehmen und Organisationen, angesichts des heftig anwachsenden Datenaufkommens diese zu speichern und - noch weitaus schwieriger - zu analysieren und für das eigene Business gewinnbringend einzusetzen.

Aber, das ist die Message des Economist in diesen Tagen, das Zeitalter sei angebrochen, in dem Daten nahezu gleichberechtigt neben den altgedienten Produktionsfaktoren Kapital und Arbeit stünden. Kreditkartenanbieter, Einzelhändler, Handy- und Versicherungsfirmen geben demnach die Richtung vor, in die es gehen wird:

“Es gibt jetzt genügend digital erfasste Lebensäußerungen, Kommunikation, Bilder, Mobiltelefon-Bewegungsinformationen, Einkaufsentscheidungen, täglich werden es mehr. Getrieben vom reichlich verfügbaren Datendünger, sprießen die mathematischen und statistischen Methoden zur Auflösung der Persönlichkeit in klassifizierbare Einzelaspekte zu ungeahnter Güte”,

beschreibt CCC-Sprecher Frank Rieger unser aller Zerlegung in eine “Kombination von kleinen Merkmalsschubladen”.

Und da wir uns - statistisch gesehen - alle ziemlich ähneln und - statistisch gesehen - auf ziemlich eingetrampelten Pfaden (Alltag) wandeln, ist unser aller Verhalten darüber hinaus ziemlich vorhersehbar. Um dies zu sein, muss man kein Facebook-Heavy-User und auch nicht abgehört werden. Es reicht bereits, ein Handy bei sich zu tragen, zeigt Rieger an anderer Stelle der FAZ zum Beispiel anhand der Vorratsdatenspeicherung. Neulich erst wurde eine Studie häufiger zitiert, in der US-amerikanische Wissenschaftler anhand dreimonatiger Bewegungsprofile von 50.000 Handynutzern eine Vorhersagbarkeit von 93 Prozent berechneten.

Und von einer Krise der Branche, deren Währung unter anderem personenbezogene Daten sind, konnte und kann keine Rede sein:

“Interessanterweise nahm der Internetverkehr weltweit im Jahr 2008 trotz der globalen Rezession um 55 Prozent zu; für 2009 wird ein weiterer Anstieg um 74 Prozent vorausgesagt. In einem umfassenderen Sinn werden Netzwerksysteme und -anwendungen den Unternehmen immer mehr Möglichkeiten geben, ganze Bereiche soziokultureller Aktivitäten - zum Beispiel Bildung oder Agrobiotechnologie - systematisch für effizientere Vermarktung vorzubereiten und andere Bereiche wie Medizin oder Energieversorgung so umzugestalten, dass sie sich in die Prinzipien der Profitmaximierung fügen.”

Profitmaximierung per personenbezogener Daten: Insofern ist es eine Frechheit, dass über Sinn und Unsinn eines Datenbriefes überhaupt diskutiert wird.


 
 
 

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