Links (21.05.2012)

Frank Riegers Roboterutopie in der faz für eine (bessere) Gesellschaft, in der Maschinen und Algorithmen Steuern zahlen und ihren Anteil am Gemeinwohl leisten, wird nicht zuletzt wegen ihres Erscheinungsortes (bürgerliche Presse) viel diskutiert. Eine lesenswerte Replik hat zum Beispiel Stefan Schulz geschrieben, die vor allem der Rehabilitierung des Menschen in einer automatisierten Gesellschaft dienen soll: So lange Maschinen an Nullen und Einsen (also an die Limitierungen von Syntax) gebunden sind, können sie nur an Geschwindigkeit aber nicht an Qualität zulegen.

Da Rieger alles und jeden über den Automatisierungskamm schert, sind wohl auch Zweifel an der wirtschaftlichen Aussagekraft des Artikels nicht unberechtigt. (Christoph Kappes hat aus dieser Perspektive eine Entgegnung angekündigt, die ich hier ggfs. nachtragen würde.) Meiner Meinung nach hat der Text aber vor allem eine gesellschaftspolitische Stoßrichtung:

Die derzeitige Finanzierung unseres Gemeinwesens beruht größtenteils auf der Besteuerung von menschlicher Arbeit und menschlichem Konsum. (…) Die zunehmende Automatisierung und Flexibilisierung der Produktion führt nun aber zwangsläufig dazu, dass immer weniger Menschen einen regulären Lohn beziehen. (…) Mit der bisherigen Steuerphilosophie kann die nächste Automatisierungswelle daher den sozialen und finanziellen Zusammenbruch von Staat und Gesellschaft innerhalb weniger Jahre verursachen. (…) Die Alternative: ein schrittweiser, aber grundlegender Umbau der Sozial- und Steuersysteme hin zur indirekten Besteuerung von nichtmenschlicher Arbeit und damit zu einer Vergesellschaftung der Automatisierungsdividende.

An dieser Stelle und hinsichtlich der Dividenden-Forderung trifft er sich übrigens mit Rainer Sommer und dessen Überlegungen zum bedingungslosen Grundeinkommen bei Telepolis.


 
 
 

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